Am 1. Juli 2007 ist die neue Meldepflicht in Kraft getreten. Ihre Kritik richtet sich in erster Linie gegen den Einbezug der CashSettlement-Optionen (CSO). Weshalb?

Urs Roth: Grundsätzlich sind wir mit dieser neuen Offenlegungsregel einverstanden. Beim generellen Einbezug der CSO sehen wir aber effektiv Probleme. Wir sind der Meinung, dass man hier überschiesst. In anderen Ländern, wie etwa in England, sind diese nicht meldepflichtig.


Was bedeutet die Änderung konkret für die Banken und den Finanzplatz Schweiz?

Roth: Die Höhe der Meldeschwelle ist für die Banken neutral. Ob 5 oder 3%, die Banken werden sich daran halten. Durch die notwendige IT-Umstellung ist es in erster Linie eine logistische Herausforderung.


Die Verschärfung der Meldepflicht ist auf eine Häufung feindlicher Übernahmen in der Schweiz zurückzuführen. Hätten die Banken bei der Ausgabe ihrer Optionen vorsichtiger sein müssen?

Roth: Letztlich ist es so, dass Banken nicht hinter jeder Beteiligung oder jedem Aufbau einer Beteiligung eine Übernahme und gar eine feindliche vermuten müssen. Deshalb sind die Banken auch nicht die Polizisten.


Übernahmen sind grösstenteils Effizienz steigernd. Ist es in diesem Sinne richtig, sich so stark abzuschotten?

Roth: Sicher ist eine Übernahme nicht einfach etwas Schlechtes. Aber es geht darum, dass man sich an die Spielregeln hält. Sowohl auf der Seite des Angreifers als auch auf Seite der Zielgesellschaft. Und das gilt für die Banken genauso. Sie haben sich im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen und der externen und internen Reglemente zu verhalten.


Und das war bei den kritisierten Übernahmen wie Sulzer nicht der Fall?

Roth: Das wird jetzt durch die Eidgenössische Bankenkommission abgeklärt.


Wie zufrieden ist man bei der Schweizerischen Bankiervereinigung
mit dem neuen Kapitalanlagegesetz, dem KAG?

Roth: Da es erst seit dem 1. Januar gilt und gewisse Sachen wie etwa die Selbstregulierung bei strukturierten Produkten am 1. Juli in Kraft getreten sind, ist es noch zu früh, um etwas über den Erfolg sagen zu können. Die Hoffnungen sind aber gross, dass wir mit diesem liberalen und modernen Gesetz die gewünschte Standortverbesserung auch tatsächlich bekommen.

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Sind damit die Liberalisierungen in diesem Bereich ausgereizt oder sind noch weitere notwendig?

Roth: Jetzt gilt es erst mal abzuwarten. Das neue Gesetz ist ein modernes Gesetz und bietet die Möglichkeit, die liberale Grundhaltung effektiv durchzusetzen. Nun stellt sich die Frage, wie die Praxis der Behörden aussehen wird.


Sie kritisieren jedoch Aspekte der Besteuerung bei den neu geschaffenen Rechtsformen für die kollektive Kapitalanlage.

Roth: In diesem Punkt geht es darum, international konkurrenzfähige steuerliche Regelungen für den sogenannten carried interest, den die Manager von Private Equity und Hedge-Fonds erzielen, zu erreichen. Wir müssen im Standortwettbewerb mit New York und London mithalten können.


Wird Ihr Anliegen Erfolg haben?

Roth: Derzeit ist kein Erfolg absehbar. Unsere Diskussionen mit der Eidgenössischen Steuerverwaltung haben bis jetzt leider nicht zum Ziel geführt. Aber wir kämpfen und werden alles dafür geben, damit die Tür, welche man mit dem KAG einen Spalt geöffnet hat, auch tatsächlich aufgestossen wird.


Bei der Steuerverwaltung verweist man auf die Steuergerechtigkeit. Gesellschafter eines Malergeschäftes in Form einer
Kommanditgesellschaft wären als Selbstständigerwerbende ebenfalls
steuerpflichtig.

Roth: Wir sind der Meinung, es brauche keine Steuergesetzänderung. Es ist möglich, eine international konkurrenzfähige Besteuerung im Bereich der bestehenden Gesetzgebung durch entsprechende Auslegung sicherzustellen. Hier sind wir eben gegenteiliger Ansicht, weil im KAG ausdrücklich steht, dass die Manager ihre Privatvermögen investieren können. Und wenn es Privatvermögen sind, sind es offensichtlich auch private Kapitalgewinne.


Wie wichtig sind diese Private Equity und Hedge-Fonds für die Schweiz überhaupt?

Roth: Sehr wichtig. Es handelt sich um hoch innovative Bereiche mit grosser Wertschöpfung. Auf der Kunden-, das heisst auf der Investorenseite sind wir bereits sehr stark, weshalb wir auch die ganze Wertschöpfungskette in der Schweiz haben wollen. Also nicht nur die Distribution, sondern auch die Produktion und das Management.


Bringt das dem Anleger irgendwelche Vorteile?

Roth: Wenn in der Schweiz produziert wird, gilt die schweizerische Regulierung, und damit haben wir die ganze Wertschöpfungskette auch in unserer Rechtshoheit. Mit unserem exzellent regulierten Finanzplatz wären wir damit bestens bedient.


Bei den gewöhnlichen Fonds spielt die Schweiz auch nur eine Nebenrolle.

Roth: Leider ist es so, dass durch steuerrechtliche Verschlechterungen der Fondsmarkt aus der Schweiz vertrieben und damit Entwicklungshilfe für den Finanzplatz Luxemburg geleistet wurde.


Kann man diese Entwicklung wieder umkehren?

Roth: Kaum. Ich denke, der Zug für die ganz breite Fondsproduktion ist abgefahren. Luxemburg hat sich hier sehr gut positioniert und hat auch die entsprechenden Ressourcen. Das neue KAG soll verhindern, dass wir noch weiter ins Hintertreffen geraten und zumindest einen Teil des Geschäfts wieder hier generieren. Das KAG bringt allerdings vor allem bei den hochinnovativen Produkten, zum Beispiel bei Hedge-Fonds, sehr viel.


Vor allem die langen Bewilligungszeiten ärgern die Fondsanbieter. Ist Besserung
in Sicht?

Roth: Da müssen wir klar besser werden. Es geht darum, schnell und unbürokratisch diese Bewilligungen zu erteilen. In bestimmten Fällen bietet sich mit der Shelfregistrierung sogar die Möglichkeit, dass man ein Produkt anmeldet und es sofort auf den Markt bringen kann.


Liegt das Problem beim Personalmangel der Eidgenössischen Bankenkommission, der EBK?

Roth: Ich möchte nicht von einem Hauptproblem reden. Die Zusammenarbeit mit der EBK ist sehr gut und führt zu pragmatischen, marktgerechten Lösungen.


Strukturierte Produkte unterliegen nicht dem KAG. Wird man mit der Selbstregulierung deren Komplexität gerecht?

Roth: Unsere Selbstregulierung ist sehr gut und praxisnah, sie konzentriert sich auf den Bereich Anlegerschutz, also auf Information und Transparenz gegenüber dem Anleger. Auch das Gesetz sieht Regulierungen vor. Nicht auf der Produkteseite, und das ist auch richtig so, sondern nur auf der Distributionsseite. Strukturierte Produkte dürfen nur durch regulierte Institutionen wie Banken an die Kunden vertrieben werden.


Trotzdem ist die fehlende Transparenz ein ewiges Thema.

Roth: Gerade der vereinfachte Prospekt dient natürlich der Transparenzherstellung. In Bezug auf die Kosten wird der Markt mittelfristig für noch mehr Transparenz sorgen.


Und was ist mit der Kritik an Beratung und Transparenz nach dem Verkauf ?

Roth: Die richtige Beratung ist wichtig. Man muss wissen, was der Kunde genau haben möchte, welche Ziele er mit einer Anlage verfolgt, und dann kann man ein Portfolio entsprechend strukturieren. Ob man einfachere oder komplexere Finanzprodukte wählt, kommt zu einem grossen Teil auch auf das Kundengespräch an.


All die innovativen Finanzprodukte werden immer komplexer. Machen diese für den Anleger überhaupt noch Sinn?

Roth: Die neuen Finanzprodukte sind teilweise sicher komplexer geworden. Daher wird die Beratung, eine der Kernkompetenzen, gerade in der Vermögensverwaltung, auch immer wichtiger. Die Produktinnovation hat aber für die Anleger auch grosse Vorteile in Bezug auf die Diversifikation ihrer Anlagen gebracht.


Trotz Rekordniveaus ist man an den Aktienmärkten weiterhin optimistisch. Die hohe Geldmenge wird teilweise jedoch als Risikofaktor angesehen. Sehen Sie aus dieser Richtung ein Gewitter
aufziehen?

Roth: Die Stimmung ist nach wie vor gut. Bezüglich der Entwicklung der Geldmenge verlasse ich mich auf die Kompetenz der Schweizerischen Nationalbank, die zurzeit durch die monetäre Situation keine Gefahr für die Systemstabilität sieht.


Der Franken schwächelt. Was bedeutet das für den Finanzplatz Schweiz und die Banken?

Roth: Ein stabiler Franken ist sicher wichtig. Allerdings haben wir es eher mit einer Eurostärke als einer Frankenschwäche zu tun. Vergleicht man den Franken zum Beispiel mit dem Dollar, sieht es ganz anders aus. Zudem sind gerade die ausländischen Kunden in verschiedenen Währungen investiert. Ausserdem hat ein gegenüber dem Euro schwächerer Franken beispielsweise für die Exportindustrie und den Tourismus auch Vorteile. Für die Banken und den Finanzplatz sehen wir zurzeit keine negativen Auswirkungen.

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Steckbrief

Name: Urs Roth
Funktion: Geschäftsleitungsvorsitzender und Verwaltungsratsdelegierter der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg), Basel
Alter: 60
Ausbildung: Doktorat Rechtswissenschaften Universität Zürich; Anwaltspatent

Karriere

1976–2001: UBS, erster Rechtskonsulent im Rang eines Direktors (verantwortlich für weltweite Rechtsberatung und Compliance des UBS-Konzerns)

Swiss Banking

Organisation: Die Schweizerische Bankiervereinigung (SBVg) wurde 1912 in Basel gegründet. Heute zählt der Verein 784 Mitgliedsinstitute und etwa 10509 Einzelmitglieder. Über 50 Mitarbeitende sind in der Geschäftsstelle tätig.

Mission: Die SBVg vertritt die Interessen der Banken gegenüber in- und ausländischen Behörden. Selbstregulierung in Absprache mit den Regulatoren sowie Nachwuchsförderung sind weitere Arbeitsgebiete der SBVg.