Wenn Börsianer von den verflixten Siebner-Jahren sprechen, spielen sie nicht auf den Vorstoss der deutschen CSU-Politikerin Gabriele Pauli an, welche die Ehe auf sieben Jahre begrenzen möchte. Gemeint ist vielmehr eine Statistik, auf die niemand ernsthaft wetten würde, die aber seit einem Jahrhundert mit einer Trefferquote von 100% funktioniert.

Seit 1907 war das 2. Halbjahr im US-Leitindex Dow Jones in allen Jahren, die auf sieben enden, schlecht. Meistens sogar miserabel. Das Rekordminus von 40,2% wurde 1937 erreicht, gefolgt von 1987, dem Jahr des grossen Börsencrashs mit einem Minus von 36,13%.
Ausgegraben hat die Statistik Luca Pesarini, Manager des Mischfonds Ethna-Aktiv E. Er hat denn auch die logische Konsequenz aus seiner statistischen Erkenntnis gezogen und den Löwenanteil des Fondsvermögens in sichere Anleihen investiert. Derzeit stecken nur 18% in Aktien – und die sind auch noch durch Short-Positionen weitgehend abgesichert. Sein Auftrag sei es nun mal, «mit dem Geld der Anleger vorsichtig umzugehen», sagt Pesarini mit einem kleinen Augenzwinkern.
Für viele Börsianer ist die Geschichte mit den Siebner-Jahren mehr als purer Aberglaube. Es sei nicht wegzudiskutieren, dass es gewisse Dekaden-Zyklen gebe, meint etwa Derivateexperte Jürgen Bulling von Merrill Lynch. Und häufig würden sich in der zweiten Hälfte eines Jahrzehnts rezessive Tendenzen bemerkbar machen.
Professor Max Otte von der deutschen Fachhochschule in Worms hält es zwar für «nicht sehr fundiert, so etwas an Jahreszahlen festzumachen». Gleichwohl will aber auch er nicht ausschliessen, dass die Statistik 2007 recht behält. «Das wird davon abhängen, ob noch Katastrophenmeldungen aus dem Bankensektor kommen. Genug Sondermüll ist ja drin im weltweiten Wirtschaftssystem.»
Auch Fondsmanager Pesarini will die Nachrichten von der Subprime-Front abwarten. «Wenn sich Ende Oktober herausstellen würde, dass wieder Friede, Freude, Eierkuchen herrscht, wären Aktienkäufe eine Überlegung wert», räumt er ein. Schliesslich verlaufen die Achter-Jahre in aller Regel gut.