Viele Anleger fragen sich: Können sich die Investmenbanken gegenüber den Immobilienfinanzierern durchsetzen? Immobilien-Spezialist Wells Fargo legte am vergangenen Freitag als erste US-Grossbank die Zahlen für das zweite Quartal vor. Es zeigt sich: Amerikas grösster Hypothekenfinanzierer befindet sich weiterhin auf der Überholspur.

Das Institut verkündete einen Gewinnanstieg um 3 Prozent auf 5,4 Milliarden Dollar. Zwar ist das Plus vor allem dem Sparkurs verdankt, den die Bank sich vor einiger Zeit auferlegt hat. Das positive Ergebnis setzt die anderen US-Grossbanken trotzdem unter Zugzwang.

Gebeutelte Citigroup

Heute Montag zieht die Citigroup nach, bevor am Dienstag JP Morgan, Goldman Sachs und am Mittwoch die Bank of America ihre Bücher öffnen. Bereits bei der Bilanz der Citigroup wird es eine böse Überaschung geben. Das Institut hat vor der heutigen Veröffentlichung der Zahlen einen Hypotheken-Vergleich in der Höhe von sieben Milliarden Dollar bestätigt. 

Die Zahlen von Wells Fargos Konkurrenz werden für die Branche richtungsweisend sein – und könnten dafür sorgen, dass Wells Fargo schon bald die wertvollste US-Bank aller Zeiten wird. 

Wells-Fargo-Aktie lässt Rivalen hinter sich

Zum Handelsschluss am vergangenen Freitag kosteten die Aktien von Wells Fargo 51,49 Dollar. Das ist in diesem Jahr ein Plus von über 10 Prozent. Dagegen liegen die grossen Rivalen im Jahresverlauf alle im Minus. Die Marktbewertung des Instituts aus dem kalifornischen San Francisco liegt derzeit bei rund 272 Milliarden Dollar – gut 10 Milliarden unter der bisherigen Rekordbewertung, welche 2001 die Citigroup besass. 

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In den letzten zehn Jahren ist die Aktie von Wells Fargo um knapp 80 Prozent gestiegen. Damit lässt die Aktie jene von Morgan Stanley, JP Morgan, Bank of America und der Citigroup hinter sich. Zum Vergleich: Die Aktien der Citigroup sind im gleichen Zeitraum um rund 90 Prozent gefallen. Die Bank mitschte zu Beginn der Finanzkrise bei allem mit, von Kredivergabe über Aktien bis zum Einlagegeschäft. Schliesslich musste die Citigroup mit einem Rettungspaket in Milliardenhöhe durch die Regierung aus dem Schlamassel gezogen werden. 

Immobilienkredite als Geschäftstreiber 

Das Wachstumsrezept von Wells Fargo besteht vor allem aus der Konzentration auf die Vergabe von Krediten und Hypotheken an Firmen und Verbraucher. Die Bank liess stets die Finger vom riskanten und schwankungsanfälligen Investmentbanking.

Das zahlte sich aus. Während Wells Fargo in den vergangenen Jahren vor allem durch das Geschäft mit Immobilienkrediten wachsen konnte, litten die anderen Banken unter der Zinsflaute. Diese sorgt nun schon seit mehreren Quartalen in Folge für enttäuschende Geschäfte im Handel mit festverzinslichen Wertpapieren. 

Nummer Vier in den USA

Schon während der Finanzkrise schiffte sich Wells Fargo verhältnismässig gut durch die Turbulenzen der Finanzkrise – dank eines starken Privatkundengeschäfts. Heute ist die Bank die Nummer vier auf dem heimischen Markt. 

Noch 2008 war Wells Fargo eine Regionalbank. Heute ist sie ein Schwergewicht. Im ersten Quartal vergab sie Hypothekenkredite im Wert von über 36 Milliarden Dollar. Laut dem «Wall Street Journal» hat die Bank einen Marktanteil von 16 Prozent und ist in diesem Segment klar führend. Sie verfügt über 6200 Filialen – so viele wie kein anderes US-Geldhaus. Nach Einlagen ist Wells Fargo die drittgrösste Bank und liegt vor der Citigroup.

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Risiken lauern trotzdem

Dennoch lauern auch für Hypothekenfinanzierer wie Wells Fargo Risiken. Das Frühjahresgeschäft verlief letztlich schwächer als erwartet. Im zweiten Quartal vergab die Bank Hypotheken im Volumen von nur noch 47 Milliarden Dollar. In der Vorjahresperiode waren es noch 112 Milliarden Dollar.

Der Hypotheken-Boom schwächelt schon länger. Viele Familien haben die rekordniedrigen Zinsen früh genutzt, um alte Kredite zu refinanzien oder sich ein neues Haus zu leisten. Zudem diskutiert die US-Notenbank seit Wochen über das Ende der Niedrigzinsen und den Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik.