Die amerikanische Wirtschaft leidet unter dem von Präsident Donald Trump angezettelten Handelsstreit. Die dadurch entstehenden Zölle kosteten Firmen und Bürgern monatlich 1,4 Milliarden Dollar, wie eine Allianz von 60 US-Branchenverbänden berechnet hat. Und die auf US-Zoll-Rechnungsdaten basierte Studie der Nachrichtenagentur «Reuters» zuspielte.

Die Gruppe namens «Tariffs Hurt the Heartland» formierte sich im September – um den Kampf gegen die Zölle in die Öffentlichkeit zu tragen. Zu ihr gehören Branchenverbände wie der National Retail Federation, der Retail Industry Leaders Association oder den Farmers for Free Trade. Beteiligt sind etwa auch das American Petroleum Institute und die Ölfirmen Exxon Mobil und Chevron sowie die Einzelhandelsketten Target und Autozone.  

Sie werfen Trump vor, dass die Kosten für die Zölle viel höher ausfielen, als er behaupte. Laut der Allianz sei es in den USA im August zu einem 45-prozentigen Anstieg der Zoll-Kosten im Vorjahresvergleich gekommen. Dies obwohl noch nicht alle Zoll-Verordnungen wirksam sind.

Ungünstiger Zeitpunkt für Trump

Mit dem Ziel, mehr Arbeitsplätze im eigenen Land zu generieren, hat Trump Zölle auf chinesische Waren im Wert von 250 Milliarden Dollar und Zölle auf ausländisches Stahl und Aluminium verhängt, was die Importkosten erhöht. Zudem hat er Zölle auf weitere 276 Milliarden Dollar an chinesischen Produkten angedroht, die fast jedes importierte Gut betreffen würden.

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Der Zeitpunkt der Studie und des Widerstands aus der Industrie kommt wohl nicht von ungefähr. Bereits am 6. November finden die sogenannten Midterm-Wahlen statt. Die Bürger stimmen dann über neue Abgeordnete und Senatoren ab. Für Trump und die Republikaner kommt die Kritik zu einem ungünstigen Zeitpunkt.

Exportüberschuss auf Rekordhoch

Denn erst letzte Woche wurde bekannt, dass Chinas Exportüberschuss im Warenaustausch mit den USA auf ein Rekordhoch gestiegen ist. Im September lag er bei 34,1 Milliarden Dollar – also um drei Milliarden Dollar höher als im August. Seit Jahresbeginn summiert sich der Überschuss auf fast 226 Milliarden Dollar. Vor einem Jahr waren es noch rund 30 Milliarden Dollar weniger.

Genau das jedoch wollte Trump eigentlich verhindern: dass die USA mehr aus China importiert als dorthin verkauft. Experten erklären das Exportplus aber damit, dass US-Unternehmen drohende Strafzölle umgehen wollten und daher verstärkt in der Volksrepublik einkauften, wie die «Welt» schreibt. Käufe wurden offenbar schlichtweg vorgezogen.

Trump scheint nun offenbar besorgt und will wieder mit China verhandeln. US-Finanzminister Steven Mnuchin deutete dem Fernsehsender «CNBC» an, Trump könnte beim G-20-Gipfel im November mit dem chinesischen Präsident Xi Jinping zusammenkommen. 

(bsh)

Handelsstreit

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