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Teuer
US-Justiz will 14 Milliarden Dollar von Deutscher Bank

Deutsche Bank: Hohe Forderungen wegen alten Vorwürfen. Keystone

Die US-Justiz fordert eine exorbitant hohe Busse im Zusammenhang mit krummen Hypothekengeschäften vor der Finanzkrise. Doch die Deutsche Bank will keinesfalls zahlen. Trotzdem tauchte die Aktie.

Veröffentlicht am 16.09.2016

Die Deutsche Bank ist im Streit mit der US-Justiz um krumme Geschäfte vor der Finanzkrise mit einer überraschend hohen Forderung konfrontiert. 14 Milliarden Dollar fordert das Justizministerium. Die Grossbank bestätigte die Summe - will sie aber in der Höhe nicht zahlen.

Die US-Regierung legt mit der geforderten Milliardensumme die Latte bei den Vergleichsverhandlungen mit der Deutschen Bank im Streit um zweifelhafte Hypothekengeschäfte hoch. «Die Deutsche Bank beabsichtigt auf keinen Fall, diese möglichen zivilrechtlichen Ansprüche in einer Höhe zu vergleichen, die auch nur annähernd der genannten Zahl entspricht», erklärte das Bankhaus.

Die Verhandlungen stünden erst am Anfang. Es gehe um die Beilegung zivilrechtlicher Ansprüche im Zusammenhang mit der Ausgabe hypothekengedeckter Wertpapiere zwischen 2005 und 2007. Der Deutschen Bank wird vorgeworfen, mit windigen Geschäften zum Kollaps des US-Häusermarktes im Jahr 2008 beigetragen zu haben.

2 bis 3 Milliarden Dollar angemessen

Das Geldhaus erwartet nach eigenen Angaben ein Verhandlungsergebnis, «das im Bereich ihrer Wettbewerber liegt, die sich mit dem US-Justizministerium bereits auf deutlich niedrigere Beträge geeinigt haben». In dem «WSJ»-Bericht hiess es, die Deutsche-Bank-Anwälte hielten eine Summe zwischen 2 und 3 Milliarden Dollar für angemessen, um den Konflikt rasch beizulegen.

Allerdings haben andere Banken bereits hohe Strafen in solchen Fällen akzeptiert: Die führende US-Investmentbank Goldman Sachs hatte im April einem Vergleich mit der US-Justiz über etwa 5 Milliarden Dollar zugestimmt. Die bislang höchste Busse wurde 2014 der Bank of America mit etwas mehr als 16 Milliarden Dollar aufgebrummt, wobei die Fälle schwer vergleichbar sind.

Die Deutsche Bank ist an einem schnellen Abschluss der Verhandlungen interessiert. Die Fülle von Rechtsstreitigkeiten zu beenden, steht derzeit neben dem Umbau der Bank ganz oben auf der Aufgabenliste von John Cryan, der jetzt seit etwas mehr als einem Jahr an der Spitze der Bank steht. Er will die grössten noch ausstehenden Rechtsstreitigkeiten des Hauses im Laufe dieses Jahres beilegen.

«Sehr unwahrscheinlich»

Analyst Jacques-Henri Gaulard vom Analysehaus Kepler Cheuvreux verwies allerdings auf die politische Brisanz: Schwierig machten die Verhandlungen die Präsidentschaftswahlen und die jüngste Forderung der EU-Kommission an Apple, 13 Milliarden Euro an Steuern nachzuzahlen. Letztlich hält es Gaulard zwar für «sehr unwahrscheinlich», dass die Deutsche Bank wirklich 14 Milliarden Dollar zahlen muss. Es bleibe aber enorme Unsicherheit, bis eine Entscheidung getroffen sei.

Da die Deutsche Bank bereits Milliarden für die Beilegung einzelner Rechtsstreitigkeiten zur Seite gelegt hat, wird es für das Institut erst kritisch, wenn die Summe für diesen Fall überschritten wird. Wie viel die Bank pro Einzelfall zurückgelegt hat, ist nicht bekannt. Die Gesamtsumme der Rückstellungen lag zuletzt bei rund 5,5 Milliarden Euro. Neben dem Streit mit der US-Justiz sind Ermittlungen wegen möglicher Geldwäscherei in Russland das grösste bekannte Verfahren.

Anleger geschockt

Die hohe Forderung an die Deutsche Bank schockierte am Freitag jedenfalls die Anleger. Der Aktienkurs tauchte um mehr als 8 Prozent. Die Investoren wollten daraufhin allerdings nicht nur Aktien der Deutschen Bank loswerden, sondern auch die Papiere anderer Grossbanken. Unter anderem gaben auch die Kurse der Schweizer Grossbanken Credit Suisse (um fast 4 Prozent) und UBS (um rund 2,5 Prozent) nach.

Händler sprachen in erster Linie von reiner Panikmache - schliesslich liege gegen die beiden Schweizer Grossbanken nichts Konkretes vor.

Zivilklagen hängig

Allerdings sind sowohl gegen die UBS als auch die CS im Zusammenhang mit Hypothekengeschäften in den USA noch Zivilklagen und Untersuchungen von Regulatoren hängig, darunter auch des US-Justizministeriums. Die UBS hat per Ende Juni dieses Jahres 988 Millionen Dollar für diese Fälle beiseite gelegt. Die CS weist den Betrag nicht gesondert aus, Ende 2015 hatte sie für alle Rechtsstreitigkeiten 1,6 Milliarden Franken zurückgestellt.

Beide Grossbanken haben in der Vergangenheit bereits eine Reihe an Vergleichen in zivilrechtlichen Klagen und in Klagen von Regulatoren erzielt. Am teuersten in dieser Sache fielen bisher für beide die Vergleiche mit der US-Hypothekenmarktbehörde FHFA aus. 2013 zahlte die UBS zur Beilegung eines Rechtsstreits mit der FHFA 885 Millionen Franken. Die Credit Suisse legte zwei Klagen der FHFA im Jahr darauf ebenfalls mit 885 Millionen Franken bei.

(sda/gku)

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