Die ultimative Gefahr für Nestlé Waters kommt nicht von Schweizer Politikern, die ein Mineralwasserverbot fordern. Nestlé-Verwaltungsratspräsident Peter Brabeck ortet das wahre Problem vielmehr beim hohem Wasserkonsum bei der Agrotreibstoffherstellung, welche dem Konzern auch steigende Agrarrohstoffpreise verursacht.

Kurz- und mittelfristig noch stärker tangieren dürfte Nestlé Waters aber die «Anti-Bottled Water Campaign» in den USA, dem grössten Markt von Nestlé Waters. Dahinter stehen nicht etwa ein paar grüne Politiker. Am 23. Juni stimmte die Mehrheit von 250 US-Bürgermeistern in Miami an der Bürgermeisterkonferenz gegen den Gebrauch von Mineralwasserflaschen. Darunter der Bürgermeister von New York, Michael Bloomberg. Mit Steuergeldern sollen keine Mineralflaschen mehr gekauft werden, so der Konsens. Der radikale Entscheid ist auf Umweltüberlegungen und die Verteidigung des städtischen Hahnenwassers zurückzuführen. Und auf die 70 Mio Dollar, welche die Städte zur Entsorgung der Wasserflaschen aufwenden. Die Bewegung ist schon in vielen Restaurants angelangt, die kein Flaschenwasser mehr anbieten.

Offensive für Pet-Flaschen

Nestlé Waters, welche letztes Jahr 10,4 Mrd Fr. zum Konzernumsatz beisteuerte und ein organisches Wachstum von 6,6% erzielte, nimmt die Kampagne ernst. Zum einen versucht sie mit Info-Offensiven die negativen Mythen um die Wasserflaschen zu widerlegen. Zum anderen werden Millionenbeträge investiert und so weitere Margenverluste in Kauf genommen, um die Pet-Flaschen umweltfreundlicher zu machen. «Nestlé Waters hat den Wasserverbrauch innert der letzten fünf Jahre um 33% gesenkt, die Verpackungsmenge um 18% und den Energieverbrauch um 11%», sagt Nestlé-Sprecherin Nina Backes. Bis in einem Jahr will Nestlé Nordamerika zudem alle Flaschen auf das Eco-Shape-Format umstellen, das 30% weniger CO2-Emissionen verursacht als eine durchschnittliche Pet-Flasche 2007.

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Zu den Auswirkungen der Kampagne auf das Ergebnis schweigt Nestlé-Sprecherin Backes. Sie betont allerdings, Nestlé hoffe, dass die emotional geführte Debatte rationaler werde. Dennoch werden erste Folgen offensichtlich: Im Mai krebste Nestlé bei den Investitionen in eine Abfüllanlage in Nordkalifornien zurück. Die Anlage wird nun nur ein Drittel so gross wie geplant.

Die Ebit-Marge der Wassersparte war mit 8,2% 2007 – 0,5 Prozentpunkte weniger als 2006 – weitaus die magerste aller Nestlé-Sparten. Nestlé Waters ist nach eigenen Angaben unbestrittene Marktführerin bei Mineralwasserflaschen in den USA. Die Marke Pure Life, welche 2007 weltweit 30% zulegte, soll heuer in den USA zur Marktleaderin aufsteigen. Nestlé rechnet mit einer Verdoppelung des Wassermarktes bis 2012. Probleme hin oder her, Brabecks Nachfolger Paul Bulcke betont, die Wassersparte sei eines der wichtigsten Fundamente für die Nestlé-Vision «Nutrition, Gesundheit und Wellness».

Nestlé-Sprecherin Backes zeigt sich zuversichtlich, dass die Kampagne nicht nach Europa überschwappen werde, da die Recycling-Raten hier viel höher seien.