Die Credit Suisse übernimmt von James Dinan, Gründer und CEO, eine Minderheitsbeteiligung an der Managementfirma des Hedge-Fonds York Capital Management. Laut dem Magazin «Hedge-Fonds Review» erwirbt die Credit Suisse einen Anteil von 30%. Ein Sprecher der Credit Suisse mochte diese Zahl nicht offiziell bestätigen, sie «stimmt aber etwa». Die 1991 gegründete Gesellschaft managt einige Hedge-Fonds und verwaltet derzeit laut eigenen Angaben 14 Mrd Dollar Kundenvermögen. Die Gelder kommen von Banken, Stiftungen, Dach-Hedge-Fonds und vermögenden Personen bzw. Familien. York Capital hat sich auf Merger & Akquisitions- und Special-Situations-Strategien spezialisiert und hält über die Fonds Beteiligungen an General Motors, Alcon, Xerox und Chrysler.

Auf solche Strategien spezialisierte Fonds haben laut den Analysten der Bank of America in diesem Jahr bisher eine Performance von 1% erreicht. Der York-Fonds hat jedoch laut dem letzten Investoren-Letter Renditen von 3 bis 7% erzielt. Ein Vorteil für die Credit Suisse ist dabei, dass anders als Direktanlagen in Hedge-Fonds-Anteile, die Beteiligungen an den Managementgesellschaften nicht der neuen Regulierung unterliegen. Denn Banken dürfen gemäss dem Dodd-Frank Act in den USA nicht mehr als 3% ihres Kernkapitals in Hedge-Fonds investieren. Laut einem Sprecher der Credit Suisse ist das kein Problem, denn die Bank wird keine Kontrollminderheit haben und auch nur in die Management-Gesellschaft, aber nicht in die Fonds investieren.

Verfahren gegen Fonds in Israel

Im Juni kaufte York mit anderen Fonds wie Apollo, Park Square und Cerberus einen Anteil an der Gala Coral Group, der Nummer eins im britischen Bingo- und Casinogeschäft. Zuvor hatte man eine Beteiligung an Psagot Mutual Funds, der grössten israelischen Beteiligungsgesellschaft, an Apax Partners verkauft. Dabei gerieten drei Top-Manager von Psagot in Verdacht, Insiderinformationen ausgenutzt zu haben.

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Die Transaktion wird jetzt von der israelischen Börsenaufsicht untersucht. «Wir werden auch jetzt weiter machen wie bisher», liess sich Dinan in einer Mitteilung zitieren, «und wir sehen riesiges Potenzial für Event-driven- und Kredit-Strategien. Diese werden wir über die globale Reichweite und die Ressourcen der Credit Suisse noch besser vertreiben können.»

Der Select-Fonds dürfte eine besondere Rolle spielen: Diese hochkonzentrierte Variante des Flagship-Fonds steht aufgrund der wenigen und riskanten Positionen nur sehr vermögenden individuellen Anlegern und Familiy Offices offen. Institutionelle Anleger dürfen ihn nicht kaufen. 2008 verlor dieser Fonds mit 45% mehr als der Flagship Fonds, im letzten Jahr stieg er mit 83% auch stärker. Der Flagship-Fonds von York, der Multi Strategy Fund, verlor 2008 26,4%. Im letzten Jahr gewann der Fonds fast 40%. Die York-Fonds sollen von der Credit Suisse im Rahmen einer nicht exklusiven Vertriebsvereinbarung weiterverkauft werden. Die Credit Suisse verstärkt sich damit im Bereich alternativer Anlagen, zu denen auch Hedge-Fonds gehören. Solche Anlagen umfassten Ende Juni 184 von insgesamt 423 Mrd Fr., die in der Asset-Management-Sparte verwaltet werden. Hedge-Fonds-Managementgesellschaften arbeiten nach dem 2-20-Modell: 2% jährliche Managementgebühr und 20% erfolgsabhängiges Honorar. Für York-Chef Dinan war das eine einträgliche Sache: Er besitzt eine Pferderanch 100 km nordöstlich von New York und kaufte 2004 dem zu einer Gefängnisstrafe verurteilten Dennis Kozlowski, dem ehemaligen CEO von Tyco, ein Appartement für 21 Mio Dollar ab.

Experten sind skeptisch

Einige Analysten zeigten sich sehr skeptisch. «Der Kauf erinnert schrecklich an die ähnlich gelagerte und dann zum Siechtum bestimmte Marble-Bar-Transaktion, die eine Verschwendung von Aktiengeldern bei EFG International darstellte», kommentiert Helvea-Analyst Peter Thorne. «Zudem wirkt es merkwürdig, dass die Asset Manager der Credit Suisse oder ihre Investmentbanker die Strategien von York nicht replizieren können. Aber zum Glück ist die Transaktion, die 0,8% der Marktkapitalisierung bzw. 1,6% des Kernkapitals entspricht, vergleichsweise klein.» Die Analysten der Bank Vontobel bezeichnen den Kaufpreis von 425 Mio Dollar für die Beteiligung an der Gesellschaft als «relativ hoch».

Bei professionellen Anlegern, die jährlich befragt werden, hat York Capital einen guten Ruf: Die Fonds wurden auch während der Finanzkrise nie geschlossen, die Transparenz der Berichterstattung an die Investoren gilt als hoch, und mit der Flexibilität während der Trendwende hat man sich 2009 hohes Ansehen erworben.