Der Markt der intelligenten Gadgets, die unsere Fitness messen und sich mit dem Internet vernetzen, ist hart umkämpft. An der Spitze der Bewegung stehen die Smartwatches: Die Apple Watch, schon 3,6 Millionen Mal verkauft, ist das aktuell am meisten diskutierte Beispiel. Die Amerikaner buhlen mit vielen anderen Herstellern um die Gunst der Kunden.

Viele fürchten hier harte Konkurrenz für Schweizer Hersteller. Doch ein Beispiel zeigt: Ausländische Firmen greifen gerne auf Schweizer Technologien zurück, um im Konzert von Apple und Co. mitzuspielen. Meist kommunizieren sie dies dann auch entsprechend offensiv – so etwa Google und Intel, als sie sich mit Tag Heuer für neue Gadgets zusammenschlossen.

Diskrete Unterstützung im Hintergrund

Ein Innovationszentrum dieser Branche geht dabei etwas diskreter vor, wenn es einem Milliarden-Konzern wichtiges Know-How liefert: Das Centre Suisse d'Electronique et de Microtechnique (CSEM) in Neuenburg mit dem Schweizer Astronauten Claude Nicollier an der Spitze des Verwaltungsrates - er sitzt auch bei Swatch im Verwaltungsrat.

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Die Aktionäre der CSEM sind bekannte Grössen: Den grössten Anteil besitzt einen Stiftung der Uhrenindustie. Daneben zählen die EPFL Lausanne (16 Prozent), die Swatch-Gruppe (12 Prozent) und der Kanton Neuenburg (11 Prozent) zu den grössten Eignern. Mit je 6 Prozent Kapitalbeteiligung sind auch Rolex, Ascom Holding, Richemont International, Siemens Schweiz, Sulzer und die Stadt Neuenburg vertreten.

Diesen April gewann das Nokia-Spin-Off Pulse On für sein Gadget den begehrten Red-Herring-Top-100-Europe-Award, eine Auszeichnung für Start-ups mit Potenzial. Die Finnen hatten in Zusammenarbeit mit dem CSEM ein kleines Messgerät fürs Handgelenk entwickelt, mit dem sich die Herzfrequenz innerhalb und ausserhalb des Trainings zuverlässig bestimmen lässt. Dank drahtloser Verbindung mit Software für Apple- oder Android-Handys kann anhand der Herzfrequenzdaten ein aussagekräftiges und personalisiertes Trainingsfeedback erstellt werden.

Erste Modelle in Produktion

Pulse On, seit letztem Jahr auch mit einem Firmensitz in der Schweiz, vermarktet seine Wearables mit dem amerikanischen Konzern Icon Health & Fitness, der auf einen Jahreszumsatz von gegen zwei Milliarden Dollar kommt. Die Amerikaner von Icon Health & Fitness wollen aber höher hinaus und benutzen CSEM-Patente nun auch für Smartwatches.

Laut «Le Temps» jetten Manager von Icon Health & Fitness seit Herbst 2014 regelmässig nach Neuenburg, um ein Projekt für die smarten Uhren voranzutreiben, die in der eigenen Markenlinie iFit vertrieben werden sollen. Diesen September gehen die ersten Modelle in Produktion, die gegen 500 Dollar kosten werden. Die iFit-Modelle basieren auf CSEM-Patenten, nutzen Quartzwerke vom Schweizer Uhrenproduzenten Soprod und werden durch die Schweizer Festinagruppe zusammengesetzt und gewartet.

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Eine ganze Branche profitiert

Das Beispiel  CSEM zeigt, dass Smartwatches mehr bedeuten für den Schweizer Markt als Konkurrenz in der Uhrenbranche: Der Standort Schweiz gewinnt, etwa durch Aufträge für diverse Uhren-Zulieferer. Spätestens seit Apple die Technik-Gadgets durch den Einstieg adelte, können die diversen Konkurrenten schlecht aufs Label «Swiss Made» und hiesige Technologie verzichten, wollen sie bestehen.