In den USA sorgt eine neue Studie zur Steuerpraxis grosser Konzerne für Wirbel. Denn US-Unternehmen müssen im Ausland erzielte Gewinne in der Regel nur versteuern, wenn diese in die Vereinigten Staaten geholt werden, was aber oft nicht passiert. Diese Gewinne können jahrelang in Übersee geparkt werden, um Steuern zu sparen. Einer Studie der Bilanzierungsfirma Audit Analytics zufolge hat sich von 2008 bis 2013 das Volumen der im Ausland gehaltenen Gewinne von US-Firmen auf 2,1 Billionen Dollar fast verdoppelt. Das sei eines der grössten Probleme und erfordere eine Steuerreform, sagte der Vorsitzende des Finanzausschusses im Senat, der Demokrat Ron Wyden.

Kein US-Unternehmen nutzt die Praxis der Studie zufolge stärker als der Siemens-Rivale General Electric. Hier werden demnach Gewinne im Höhe von 110 Milliarden Dollar im Ausland gehalten. Es folgen Microsoft mit gut 76 Milliarden Dollar, die Pharma-Konzerne Pfizer mit 69 Milliarden und Merck & Co mit über 57 Milliarden sowie Apple mit mehr als 54 Milliarden.

Viele Steuerschlupflöcher für Grosskonzerne

In einer GE-Stellungnahme hiess es, das Unternehmen sei in über 170 Ländern aktiv und der Grossteil der im Ausland erzielten Gewinne werde wieder in das dortige Geschäft investiert. Ein Merck-Sprecher sagte, der Konzern versteuere seine Gewinne im Einklang mit allen Gesetzen und Vorgaben der Aufsichtsbehörden. Die anderen Firmen waren zunächst nicht erreichbar oder wollten sich nicht zu der Studie äussern. Vor allem Apple wird wegen seiner Steuerpraxis immer wieder angegriffen. Firmenchef Tim Cook hatte vergangenes Jahr vor dem Kongress gesagt, der iPhone-Hersteller sei ein grosser Steuerzahler und nutze keine Steuertricks.

Die Obergrenze für Unternehmenssteuern liegt in den USA bei 35 Prozent. Dank vieler Schlupflöcher zahlt aber fast kein international tätiger Konzern diesen Satz. Manche Unternehmen müssen sogar trotz riesiger Gewinne kaum Steuern zahlen. 

(reuters/me/tke)