Die US-Aktienmärkte bleiben in Rekordlaune. Der S&P 500 kletterte vergangene Woche auf den neuen Rekordstand von 1552,50 Punkten. In weite Ferne sind die Schwierigkeiten in Amerika aber keineswegs gerückt, auch jene im Subprime-Mortgage-Markt nicht. Die US-Bürger sind auf jeden Fall vorsichtiger geworden. Zwar ist im Juli die Konsumentenstimmung von 85,3 auf 92,4 geklettert. Aber im Juni fielen die Einzelhandelsumsätze mit –0,9% deutlich schwächer aus als von den Experten prognostiziert (+0,1%). Der Druck auf die Häuserpreise und die höheren Energiepreise wirken nun offenbar negativ auf den Privatkonsum.

Kurzfristiger Auftrieb für Aktien

Die US-Notenbank gibt sich dennoch gelassen. Der Vorsitzende Ben Bernanke sorgt sich um die Inflationserwartungen in den Märkten. Derweil setzt im US-Immobilienmarkt ein deflationärer Prozess ein, sprich die Preise kommen unter Druck. So sagt die Vereinigung der US-Immobilienhändler für 2007 einen Rückgang der Preise für Immobilien voraus. Das ist das erste Mal in den 40 Jahren, seit die Preise erfasst werden. Andere Experten rechnen mit einem Fall der Preise auch noch 2008.
Wenn sich dieser Druck auf die Immobilienpreise erhöht, werden auch die wirtschaftlichen Folgen zusehends gravierender und es wird zu mehr Schwierigkeiten im amerikanischen Finanzsektor kommen. Das schürt Hoffnungen, das Fed werde die Zinsen doch noch senken. Das wiederum könnte dem Schweizer Aktienmarkt zuerst noch einmal einen kurzen Schub nach oben geben, denn tiefere Zinsen erhöhen die relative Attraktivität der Aktien. Der Schweizer Aktienmarkt wird erst in Schwierigkeiten geraten, wenn die Anleger zur Auffassung kommen, dass die Gewinne vieler Unternehmen durch die Turbulenzen im US-Immobilienmarkt sinken oder zumindest weniger rasch wachsen werden als bis anhin vermutet.
Diese Konsequenzen sind verhältnismässig klar abzusehen. Die Zinserwartungen lassen sich an den Kursen der entsprechenden Geldmarktfutures ablesen und die Gewinnerwartungen der Analys-ten werden publiziert.
Grössere Probleme bei der Be-obachtung und damit der Beurteilung der Folgen gibt es bei zwei anderen Phänomenen: Dem Risikoappetit der Anleger und dem Verhalten der Banken. Nimmt man die relative Schwäche des Franken und Yen zu anderen Währungen, insbesondere zum Euro, als Massstab, dann spiegelt das eine weiterhin hohe Risikobereitschaft der Investoren. Offenbar werden die beiden Tiefzinswährungen immer noch als Finanzierungsvehikel genutzt. Eine kontinuierliche Befestigung von Yen und Franken wäre eines der Indizien, dass die Anleger die globalen Risiken höher einschätzen. Geben die Devisenmärk-te ein solches Signal, ist für die Anleger zusehends mehr Vorsicht bei Anleihen von Unternehmen mit geringerer Bonität geboten. Aus spezifisch schweizerischer Sicht sollte dann auch die währungsmässige Zusammensetzung des Portefeuilles geprüft werden. Sollten Fremdwährungen bisher übergewichtet worden sein, so ist es ratsam, zumindest eine neutrale Gewichtung des Frankenanteils in Betracht zu ziehen.
Was die Gliederung nach Sektoren betrifft, so sollten bei Bankaktien, vor allem bei jenen der Grossbanken, Stärkephasen zur Reduktion von Positionen genutzt werden. Vorsicht ist auch bei zyk-lischen Titeln geboten. In Europa brummt die Konjunktur zwar noch, wenn sich die US-Wirtschaft jedoch als Folge der Immobilienprobleme stärker abkühlt, werden die Märkte beginnen, negative Auswirkungen auf die europäischen und asiatischen Volkswirtschaften einzupreisen.

Defensive Werte bevorzugen

Kaufenswert sind demgegen-über die klassisch defensiven Werte wie Roche, Novartis oder Nestlé. Deren vielleicht jetzt noch als relativ unspektakulär angesehenes Gewinn- und Dividendenwachstum wird sich von den Unwägbarkeiten bei zyklischen Titeln und Finanzwerten zusehends positiv abheben.