In den USA haben Abgeordnete eine Untersuchung von Preisanstiegen bei Medikamenten gegen Multiple Sklerose (MS) eingeleitet. Davon betroffen sind die Basler Pharmaunternehmen Novartis und Roche, die deutschen Konkurrenten Bayer und Merck, die französische Sanofi, Teva aus Israel sowie der US-Biotechkonzern Biogen.

Die Demokraten Elijah Cummings und Peter Welch forderten am Donnerstagabend die sieben Pharmakonzerne zu Stellungnahmen über die Preiserhöhungen auf. Nachdem sich die Preise für MS-Medikamente seit 2004 nahezu verfünffacht haben, wollen die Abgeordneten herausfinden, ob die Unternehmen die Preise im Gleichschritt angehoben haben.

Konzerne liefern Antworten

Nach Angaben der Nationalen Multiple Sklerose Gesellschaft sind die durchschnittlichen jährlichen Kosten einer MS-Therapie auf 78'000 Dollar im vergangenen Jahr von 16'000 im Jahr 2004 geklettert. Bayer und Merck bestätigten, einen Brief von den Abgeordneten erhalten zu haben. Eine Bayer-Sprecherin sagte, das Unternehmen wollen den Kongress-Abgeordneten direkt antworten.

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Eine Merck-Sprecherin erklärte, der Konzern sei sich darüber im klaren, dass es Bedenken hinsichtlich der Erschwinglichkeit und des Zugangs zu innovativen Behandlungen gebe. Es gebe aber viele Faktoren, die zu den Kosten im Gesundheitswesen beitrügen.

Roche erklärt sich

Roche erklärte wiederum, die Branche müsse den Trend zu einem starken Anstieg der Preise für MS-Medikamente umkehren. Die Kosten für das Roche-Mittel Ocrevus liegen rund 20 Prozent unter den gegenwärtigen durchschnittlichen Behandlungspreisen. Ocrevus war erst im April in den USA zugelassen worden und erzielte einen Umsatz von 192 Millionen Franken.

Die USA sind der mit Abstand wichtigste Markt für die Pharmaindustrie – sie erzielt dort 40 Prozent ihrer Umsätze. Zudem verdienen die Unternehmen dort überdurchschnittlich gut, weil ihnen bei der Preisgestaltung kaum Grenzen gesetzt sind.  US-Präsident Donald Trump hatte der Pharmabranche vorgeworfen, bei der Preisgestaltung «über Leichen» zu gehen und einen härteren Kurs bei Preisverhandlungen angekündigt.

Mylan hat reagiert

Bisherige Kongressuntersuchungen und Anhörungen über die Gestaltung der Arzneimittelpreise hatten in den USA bereits Auswirkungen. So senkte etwa der Generikakonzern Mylan, der wegen drastischer Preiserhöhungen für seine lebensrettende Allergiespritze Epipen in die Schlagzeilen geraten war, die Kosten für das Mittel nach politischem Druck deutlich.

(sda/mbü)