Wallisellen soll der Schlüssel zum Erfolg werden: Von hier aus startet der US-Konzern Ecolab in diesen Wochen seine «paneuropäische Wachstumsinitiative». Ecolab spezialisierte sich auf Produkte und Services rund um die Hygiene, darunter in der Lebensmittelindustrie, im Gesundheitswesen und in der Gastronomie. In einem ersten Schritt wählte der Konzern Wallisellen ZH als neues Headquarter für die Region Europa, Mittlerer Osten und Afrika (Emea). Bis Ende Jahr wird Emea-Chef Jim White 100 neue Stellen schaffen. Ecolab erzielte 2007 5,5 Mrd Dollar Umsatz, beschäftigt 26000 Angestellte in 160 Ländern und ist an der New York Stock Exchange gelistet.

Die Standortförderung des Kantons Zürichs hat laut Sprecher Heinrich Alper Ecolab intensiv begleitet. «Die Ansiedlung ist für Zürich sehr positiv und bestätigt die Attraktivität des Standortes», sagt Alper. Ecolab prüfte auch andere Standorte, unter anderem in Genf, Schaffhausen und in der Waadt. In einem zweiten Schritt wird Ecolab von Zürich aus ein forsches Wachstumstempo anschlagen. «Wir wollen auf Stufe Umsatz jährlich 6 bis 8% wachsen», sagt White im Gespräch mit der «Handelszeitung». Ein ambitioniertes Ziel: Zwischen 2005 und 2006 stieg der Umsatz von Ecolab Emea um lediglich 1,8% auf 4,22 Mrd Dollar. 2007 sank er nach einer Devestition gar auf 4 Mrd Dollar. Doch White gibt sich optimistisch: Die Wachstumsinitiative mit Zürich als Sprungbrett werde helfen, Produkte und Geschäftsprozesse zu standardisieren und so die Effizienz zu steigern. Die Emea-Region machte 2007 33% des Konzernumsatzes aus, die Schweiz steuerte 3% bei. Zu den Abnehmern von Produkten und Dienstleistungen des US-Konzerns mit Sitz im US-Bundesstaat Minnesota gehören:

Die Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie (darunter Nestlé, Coca-Cola und Emmi), Hotelbetriebe (u.a. Marriott), Gastronomie (u.a. Ketten wie McDonalds, Starbucks, Betriebe wie Kramer Gastronomie Zürich), Detailhändler (Wal-Mart, Migros; Ikea), das Gesundheitswesen (Novartis, Roche, Spitäler), die gewerbliche Reinigung (Auto-, Textilreinigung).

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Der Reinigungsmarkt weist ein Volumen von rund 40 Mrd Dollar auf, ist allerdings stark fragmentiert. Ecolab und Konkurrent Johnson Diversey, der 2007 einen Umsatz von rund 2,9 Mrd Dollar generierte, sind mit Abstand die grössten Anbieter und kämpfen hart um die breit gestreute Kundenbasis. In der Schweiz sieht White grosse Wachstumspotenziale im Gesundheitswesen, konkret bei Desinfektionslösungen für Spitäler. Kein Wunder: Die Schweiz weist mit rund 300 Einrichtungen eine vergleichsweise hohe Spitaldichte auf. Auch der Eintritt in neue Marktbereiche soll geprüft werden.Ecolab will in der Emea-Region primär organisch wachsen, Zukäufe ? auch in der Schweiz ? kommen dennoch in Frage. «Wenn sich attraktive Gelegenheiten bieten, dann prüfen wir diese genau», sagt White. Um die Aufmerksamkeit von Investoren zu gewinnen, würde sich ein Zweitlisting an der Schweizer Börse eignen. White schliesst einen solchen Schritt nicht aus. Ein solcher Schritt stehe derzeit aber nicht auf der Traktandenliste.

nachgefragt
«Steuerrate war nicht so wichtig »

Der Standort Zürich überzeugte Jim White, Europachef des US-Reinigungskonzerns Ecolab.

Warum steuern Sie Ihre Ecolab-Region künftig von Wallisellen aus?Jim White: Die saubere Schweiz ist grundsätzlich ein guter Standort für einen Reinigungsspezialisten. Zürich überzeugte uns mit qualifizierten Fachkräften, der guten Verkehrsinfrastruktur und der hohen Lebensqualität. Das gibt es auch am Genfersee.White: Wir haben dort ebenfalls Möglichkeiten geprüft, aber die Standortförderung des Kantons Zürich hat uns überzeugt.Aber nicht mit der Steuerquote.White: Diese war für uns auch nicht so wichtig. Zentral ist, dass wir unsere Organisation stärken und Wachstum schaffen können.