Was halten Sie vom US-Rettungsplan für die Finanzbranche?

Marc Faber: Ich halte ihn so oder so für mangelhaft. Es fehlt ein Ansatz, welcher zu einer Reduktion des Leverages im System führen könnte. Hinzu kommt, dass die 700 Mrd Dollar im Vergleich zu den Risiken von mehreren Billionen Dollar nur ein Tropfen auf den heissen Stein darstellen. Denn ich erwarte dadurch auch keine Entspannung im Geld- und Interbankenmarkt.

Die Rettungsaktion von Henry Paulson und Ben Bernanke wird also nicht gelingen?

Faber: Ich zweifle daran, dass jene Personen (Paulson war CEO von Goldman Sachs), die für das ganze Schlamassel mitverantwortlich sind, dem System aus der Klemme helfen können. Ben Bernanke hat mit seiner abstrusen Geldpolitik die Krise nur noch verschärft. Die Zentralbanken dieser Welt haben die Spekulationen ermutigt, indem sie die Zinsen künstlich tief gehalten haben und weiter tief halten.

Wie geht es nun weiter?

Faber: Es war klar, dass sich das enorme Kreditwachstum in den USA eines Tages verlangsamen wird. Dies ist nun der Fall und führt zu starken Reibungen in der Wirtschaft und zu einer Rezession.

Die Aktienmärkte sind nochmals massiv eingebrochen. Ist dies nun ein günstiger Einstiegspunkt?

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Faber: In den letzten Monaten sind nicht nur die Aktien schlecht gelaufen. Auch die Rohstoffpreise sind gesunken. Man kann heute sämtliche Anlageklassen günstiger kaufen als noch vor einem Jahr. Die Bewertungen sind nach wie vor relativ hoch, denn bisher hatten wir eine Gewinnbubble. Dennoch, die Börsen sind kurzfristig sehr überverkauft. Deshalb könnte bis März 2009 eine Rally stattfinden. Neue Höchstkurse sind aber nicht erreichbar. Nächstes Jahr werden dann die Gewinne der Firmen enttäuschen, was zu einer neuen Schwäche führen wird.

Dann sind heute also Depositen gefragt?

Faber: Auch bei Depositen können sich in der aktuellen Situation Prob leme ergeben. Erstens kann man von Währungsschwankungen betroffen sein, welche das Vermögen mindern. Zweitens sind auch Depositen nicht zu 100% sicher.

Was meinen Sie damit?

Faber: Das Bankensystem ist meiner Ansicht nach pleite und ist nur dank der Stützen der Zentralbanken und der Politik noch nicht zusammengebrochen. Depositen sind aber Verbindlichkeiten der Banken gegenüber ihren Kunden. Wenn also eine Bank nicht zahlt, dann kann es zu einer Kettenreaktion führen und der Kunde sieht am Ende gar nichts mehr von seinem Geld. Hinzu kommt, dass man auf Depositen auch real an Vermögen verliert, denn diese bringen vielleicht 3,5% pro Jahr, während die Inflationsrate bei 5 oder 7% liegt.

Was bleibt dem Anleger also übrig?

Faber: Auch wenn jemand Aktien hasst, und auch wenn ich im Moment keinen Katalysator sehe, der die Börsen real wieder anheben könnte, so kann es doch sinnvoll sein, Aktien zu halten. Aber nur Papiere von Firmen, die kein hohes Leverage ausweisen. Beispiele in der Schweiz sind Nestlé oder Novartis. Bei solchen Firmen ist es wenig wahrscheinlich, dass sie selbst in einer grossen Depression Pleite gehen werden. Vor einem Kurseinbruch ist man dennoch nicht gefeilt. In einer Weltwirtschaftkrise hält man aber immer noch ein Eigentumsrecht an einer Firma, während man mit Bankdepositen wohl alles verloren hat.

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Viele Anleger fliehen in Gold.

Faber: Nachdem ich während Jahren Rohstoffe propagiert habe, bin ich seit März 2008 auch gegenüber dieser Anlageklasse kritisch. Trotzdem habe ich mein Gold nicht verkauft. Beim Goldkauf muss beachtet werden, dass man keine Verbindlichkeiten von Banken kauft, sondern 100% abgesicherte Zertifikate, wo das Gold tatsächlich bezogen werden kann. Oder man investiert in physisches Gold und deponiert dieses im Safe.

Welche Strategie empfehlen Sie folglich den Anlegern?

Faber: Heute geht es um die Reichtumserhaltung. Und in diesem Fall sollten die Investoren einen Teil ihres Vermögens in Immobilien halten, bevorzugt in solchen ohne Hypotheken. Daneben empfehle ich Bargeld, Obligationen bester Qualität und physisches Gold. Schliesslich gehören aber auch die erwähnten Aktien ins Portfolio.

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