Aus Sorge vor möglichen Bombenanschlägen erhöhen die USA die Sicherheit an ausländischen Flughäfen. Noch im Mai sah es ganz anders aus: Präsident Obama gab damals seinem Minister für Innere Sicherheit Jeh Johnson den Auftrag, die Einreiseformalitäten zu vereinfachen - wer vom Ausland nach USA reiste, brauchte für die Einreiseformalitäten meist länger als eine Stunde.

Trotz der US-Warnung werden in der Schweiz vom Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) die Sicherheitsmassnahmen an Flughäfen als ausreichend eingeschätzt. Die identifizierten Bedrohungen würden durch die bestehenden Sicherheitsmassnahmen bereits heute abgedeckt, teilte das Bazl mit. Deshalb seien keine zusätzlichen Massnahmen nötig. Das Bazl verfolge aber die Lage weiterhin aufmerksam.

Konsequenzen schwierig abzuschätzen

Auch für Kunden von Reisekonzernen wie Kuoni ändert sich nicht viel. Dies, da Genf und Zürich von den Massnahmen nicht betroffen seien und Kuoni-Kunden meist direkt in die USA fliegen würden, sagte Kuoni-Mediensprecher Julian Chan.

Hotelplan rät seinen Kunden weiterhin für USA-Reisen mindestens zwei Stunden vor Abflug am Flughafen zu sein, in der Hochsaison mindestens 2,5 Stunden vorher, da man bereits Zusatzfragen beim Check-in beantworten muss.

Welches genau die Auswirkungen der Einreiseverschärfung für die USA sind, könne man jedoch noch nicht sagen, so Hotelplan-Mediensprecherin Prisca Huguenin-dit-Lenoir.

Sicherheit im Flughafen Zürich hoch

Pressesprecherin Sonja Zöchling Stucki vom Flughafen Zürich sagt zur US-Warnung: «Beim Flughafen Zürich müssen derzeit keine Änderungen vollzogen werden. Sowohl die Kontrolle von Schuhen als auch von elektronischen Geräten entspricht in Zürich den strengen internationalen Vorgaben. Für Passagiere im bevorstehenden Sommerferienverkehr ändert sich nichts.»

Nach wie vor gilt die Flüssigkeitsbeschränkung im Handgepäck, ebenso sollte man sich entsprechend vorbereiten können, bevor man durch die Sicherheitskontrolle geht. Zöchling Stucki: «Möglichst alle metallenen Gegenstände, auch Münzen, Schlüssel und Mobiltelefonie in die bereitstehenden Schalen legen, Laptop aus den Taschen nehmen und den Plastikbeutel mit den zugelassenen Flüssigkeiten ebenfalls in die Schalen legen.»

Veränderte Bedrohungslage

Der US-Minister für Innere Sicherheit, Jeh Johnson begründete den Schritt mit einer veränderten Einschätzung der weltweiten Terrorgefahr. Demnach gibt es Erkenntnisse, wonach Extremisten an der Entwicklung neuer Sprengstoffe arbeiteten, die bei Kontrollen an Flughäfen unerkannt bleiben könnten.

Nach einer Beurteilung der Sicherheitsrisiken habe er die Verkehrssicherheitsbehörde damit beauftragt, die verschärften Vorkehrungen an den ausländischen Flughäfen durchzusetzen, erklärte Johnson. Es gehe um «sichtbare und unsichtbare Massnahmen». «Unnötige Behinderungen» für Flugreisende sollten dabei vermieden werden.

Ein britischer Experte für Sicherheitsfragen an Flughäfen, Philip Baum, sagte dem Fernsehsender Sky News, dass vermutlich mehr Kontrollen nach dem Zufallsprinzip vorgenommen würden. Nach Informationen des Senders ABC sollen Schuhe und elektronische Geräte von Passagieren genauer untersucht werden.

Rückkehrer aus Syrien

Die USA würden «aktuelle und bedeutende Informationen» mit ihren ausländischen Verbündeten teilen und sich mit der Luftfahrtindustrie beraten, teilte das US-Ministerium weiter mit. Zu den betroffenen Flughäfen machte Johnson keine Angaben. Einem Ministeriumsvertreter zufolge handelt es sich aber um Airports innerhalb Europas und im Nahen Osten.

In deutschen Sicherheitskreisen hiess es, die Behörden seien bereits von den US-Partnern über die Erkenntnisse informiert worden. Es gebe eine Reihe von Hinweisen auf Dschihadisten mit europäischem Aussehen und europäischen Pässen, die aus Europa in die USA reisen und dabei Anschläge verüben könnten.

Informationen über konkrete Planungen gebe es aber derzeit nicht, hiess es weiter. Bei dem verdächtigen Personenkreis gehe es um Extremisten, die zum Teil aus Syrien, aber auch aus Afghanistan und Pakistan nach Europa zurückgekehrt seien.

Grossbritannien reagiert

Die britischen Behörden reagierten sofort und erhöhten die Sicherheitsvorkehrungen an den Flughäfen des Landes. Wenn es «glaubwürdige neue Bedrohungen» gebe, müssten weltweit verstärkte Absicherungen des Luftverkehrs erfolgen, sagte Vizeregierungschef Nick Clegg im Fernsehsender ITV.

Worin die neuen Sicherheitsmassnahmen bestehen, gab er nicht an. Es sei aber «sehr wichtig, dass wir mit unseren amerikanischen Partnern und auch mit anderen Staaten der Welt zusammenarbeiten», sagte Clegg.

(sda/chb)

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