Der Geldwäscherei-Verdacht bei der Deutschen Bank in Russland veranlasst die erste US-Behörde zu Ermittlungen. Die New Yorker Finanzaufsicht DFS von «Bankenschreck» Benjamin Lawsky habe nähere Informationen angefordert.

Dies berichteten die Nachrichtenagenturen Reuters und Bloomberg sowie die Zeitung «Financial Times» am Dienstag unter Berufung auf Insider. Die DFS habe unter anderem E-Mails, Kundenlisten und die Namen der involvierten Mitarbeiter angefordert. Dies sei ein normaler Vorgang, wenn der Dollar betroffen sei.

Deutsche Bank schweigt

Die Deutsche Bank nahm nicht konkret Stellung und verwies wie bereits zuvor in diesem Zusammenhang auf laufende interne Untersuchungen, bis zu deren Abschluss eine kleine Zahl von Händlern beurlaubt sei.

Anfang Juni war bekannt geworden, dass sich Deutschlands grösstes Geldhaus in Russland mit einem grossen Fall von Geldwäscherei konfrontiert sieht. Russische Kunden hätten über die Bank wohl Rubel im Wert von mehr als 6 Milliarden Dollar gewaschen, verlautete damals aus Finanzkreisen. Die Bank sehe sich dabei als Opfer.

Auch andere Behörden ermitteln

Die interne Untersuchung lief bislang in Abstimmung mit der russischen Notenbank als Aufsichtsbehörde, der deutschen Finanzaufsicht BaFin und der britischen Bankenaufsicht. Denn laut Bloomberg hatten dubiose russische Kunden über die Deutsche Bank Papiere in Rubel gekauft, die ihnen das Institut in London in Dollar wieder abkaufte.

Die Deutsche Bank hatte zuletzt wegen Rechtsstreitigkeiten tief in die Tasche greifen müssen. Im Mai war das Frankfurter Geldhaus wegen der Verwicklungen in den Libor-Skandal um manipulierte Zinssätze von britischen und amerikanischen Behörden zu einer Zahlung von 2,5 Milliarden Dollar verdonnert worden.

Chefs treten ab

Die Reihe von Rechtsstreitigkeiten und die hohen Kosten dafür waren ein Grund für den Rückzug der beiden Deutschen-Bank-Chefs Jürgen Fitschen und Anshu Jain. Letzterer ist schon nicht mehr an Bord. Sein Nachfolger ist der frühere UBS-Finanzchef John Cryan. Fitschen bleibt noch bis Mai kommenden Jahres Co-Chef.

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(sda/mbü/ama)