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Ermittlung
USA lassen Credit Suisse nicht in Ruhe

Credit Suisse in New York: Die Grossbank erhält erneut Besuch von den US-Behörden.   Keystone

Der Steuerstreit mit den USA ist für die Bank trotz Milliardenbusse nicht ausgestanden. Die Finanzbehörde schickt einen Aufseher in die Büros der Credit Suisse. Zusätzlich droht eine Sammelklage.

Veröffentlicht am 22.05.2014

Die USA lassen die Credit Suisse nach der Milliardenbusse nicht in Ruhe. Die Finanzbehörde des US-Bundesstaates New York ordnete an, dass ein unabhängiger Aufseher die Verfehlungen der Grossbank durchleuchten solle.

Dies geht aus einer Meldung der Finanzbehörde von Montag im Rahmen des Steuerstreits hervor, die der Nachrichtenagentur sda vorliegt. «Tages-Anzeiger» und «Der Bund» berichteten darüber.

«Agressiv» aber «fair»

Der Aufseher hat dabei - nebst der CS-Niederlassung in New York - auch Zugang zu den Schweizer Büros der Bank und anderswo, wie aus der Anordnung hervorgeht. «Die Credit Suisse und ihre Führung müssen vollständig mit dem Aufseher kooperieren», heisst es im von der CS mitunterzeichneten Dokument. Dabei müsse die Bank alle relevanten Unterlagen liefern und der Überwacher müsse Zugang zu allen Beteiligten erhalten.

Der Überwacher werde von der New Yorker Finanzbehörde ernannt, an welche er auch berichte. Bei der Untersuchung über die Verfehlungen der Grossbank solle er «aggressiv» aber «fair» vorgehen, heisst es weiter.

Defizite thematisieren

Ziel der Untersuchung sei es, weitere mögliche Defizite der Bank, die zum Fehlverhalten beitrugen, zu thematisieren. Je nach Schlussfolgerungen könne der Aufseher weitere Massnahmen festlegen.

Die Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma nimmt die Untersuchung gelassen. Beim Einsatz eines Aufsehers handle es sich um «eine Standardmassnahme, auf die von den US-Behörden regelmässig zurückgegriffen wird», sagte Finma-Sprecher Tobias Lux auf Anfrage. Die Finma sei in die Angelegenheit nicht involviert.

Sammelklage droht

In den USA droht der Bank aber auch von anderer Seite Ungemach. Das CS-Management muss in den USA mit Zivilverfahren rechnen, sagte der Berner Professor für Wirtschaftsrecht, Peter V. Kunz, am Dienstag gegenüber Radio SRF. Kleininvestoren dürften demnach mit grosser Wahrscheinlichkeit eine Sammelklage in Milliardenhöhe einreichen.

Dabei könnten auch Konzernchef Brady Dougan und Verwaltungsratspräsident Urs Rohner persönlich eingeklagt werden, sagte Kunz. Denkbar sei dann etwa ein aussergerichtlicher Vergleich. Er glaube aber nicht, dass dies ein grosses Problem für die Bank darstelle.

Die CS hatte in der Nacht auf Dienstag die Einigung mit dem US-Justizministerium bekanntgegeben. Insgesamt muss sie wegen Beihilfe zu Steuervergehen von US-amerikanischen Kunden 2,8 Milliarden Dollar bezahlen.

(awp/sda/dbe/gku)

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