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Furcht
USA lassen Schweizer Bank-Investoren zittern

Generalversammlung der Bank Julius Bär: Welches Ungemach droht aus den USA?   Keystone

Im US-Steuerstreit drohen den betroffenen Schweizer Banken hohe Bussen. Besonders ein Geldinstitut könnte die härtere Gangart der USA zu spüren bekommen. Die Investoren sind in Alarmbereitschaft.

Veröffentlicht am 30.05.2014

Im US-Steuerstreit fürchten Investoren hohe Strafen für die betroffenen Schweizer Banken. «Nach der teuren Einigung der Credit Suisse sind die Schätzungen der Kosten auch für die anderen Banken der Kategorie 1 gestiegen», sagte EFG -Fondsmanager Urs Beck mit Blick auf die 13 Banken, denen die Amerikaner Beihilfe zur Steuerhinterziehung vorwerfen. Dies könnte für einige der betroffenen Geldhäuser einschneidende Folgen wie Dividendenkürzungen zur Folge haben, erklärte Beck.

Die US-Regierung hat in den vergangenen Monaten eine deutlich härtere Linie gegenüber der Finanzbranche eingeschlagen. «So etwas wie 'too big to jail' gibt es nicht», erklärte Justizminister Eric Holder in Abwandlung des aus den Regulierungsdebatten bekannten Begriffs des «too big to fail».

Sorgen um Bank Bär

Als erste bekam das die Credit Suisse zu spüren. Wegen jahrelanger Verstösse gegen Steuergesetze brummte die USA der zweitgrössten Schweizer Bank eine Strafe von 2,8 Milliarden Dollar auf. Noch schlimmer könnte es für BNP Paribas kommen. Wegen mutmasslicher Verstösse gegen Iran-Sanktionen der USA peilt das Justizministerium einem Bericht das «Wall Street Journal» zufolge für die französische Grossbank eine Strafzahlung von mehr als zehn Milliarden Dollar an.

In der Schweiz könnte auch die Bank Bär die härtere Gangart der US-Behörden zu spüren bekommen. Die Aktien des Vermögensverwalters sackten am Freitag 4,4 Prozent ab. Inzwischen gehen einzelne Analysten davon aus, dass die Strafe für das Zürcher Institut eine Milliarde Franken (820 Millionen Euro) übertreffen könnte, sagte Andreas Brun, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank. Vor der Strafe für Credit Suisse hätte der Markt lediglich eine Busse von 300 bis 500 Millionen Franken für die Bank Bär erwartet.

Letzte Dividendenkürzungen könnten nicht ausreichen

«Eine Zahl über einer Milliarde Franken würde wirklich weh tun», erklärte Swisscanto-Fondsmanager Peter Stenz. Dann könnte die Bank eine Dividendenkürzung ins Auge fassen. Eine seiner Einschätzung zufolge wahrscheinlichere Strafe von bis zu 500 Millionen Dollar dürfte für die gut kapitalisierte Bank aber kein Problem darstellen, erklärte er.

Einige Experten befürchten, dass eine Kürzung der zuletzt ohnehin nicht gerade üppig ausgefallenen Dividende nicht ausreichen dürfte, um das Geld für die Strafzahlung aufzubringen. «Wenn man davon ausgeht, dass es die Dividende beeinflusst, ist die nächste Frage: Werden sie eine Kapitalerhöhung brauchen?», sagte MainFirst-Analyst Kilian Meier. Julius Bär betonte, dass die Fälle der einzelnen Banken nicht miteinander verglichen werden können.

Hoffen auf baldige Lösung

Die Amerikaner schweigen sich dazu aus, nach welchen Kriterien die Strafen berechnet werden. Klar ist einzig, dass das Ausmass der Vergehen und die Kooperationsbereitschaft eine wichtige Rolle spielen. Dies belegt auch die Strafe von lediglich 4,4 Millionen Dollar, die Swisspartners kürzlich bezahlen musste. Die Schweizer Tochter der liechtensteinischen LLB hatte Fehlverhalten selbst gemeldet und zudem Kundendaten an die Amerikaner geliefert.

Für Aussenstehende ist kaum zuverlässig abschätzbar, was aus US-Sicht für und was gegen die einzelnen Banken spricht. Zu den Instituten, die immer noch an einer Lösung arbeiten, gehören Pictet, die Kantonalbanken von Zürich und Basel sowie eine Schweizer Tochter der britischen HSBC.

Unklar ist auch, wie nah die Banken an einer Lösung sind. Einige Institute seien bereits dabei, Srafen auszuhandeln, sagte ein Anwalt, der mehrere Schweizer Banken vertritt. Damit wären sie in der Schlussphase der Verfahren angelangt. Die Schweizer Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf sagte kürzlich, sie hoffe, dass die verbleibenden Banken die Verhandlungen in den kommenden Monaten abschliessen können.

(reuters/dbe)

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