Einen Monat nach der Klage gegen drei ehemalige Mitglieder der Bank Wegelin hat das US-Justizdepartement auch eine Anklage gegen das Finanzinstitut eingereicht. Laut der Anklage hat sich die Bank an einer Verschwörung beteiligt, durch die über 1,2 Milliarden Dollar vor den Steuerbehörden IRS verborgen wurden. Die Bank habe es amerikanischen Kunden erleichtert, das Geld vor dem Zugriff der IRS zu schützen.

Das Justizdepartement teilte Abend in Washington mit, es sei das erste Mal, dass eine Bank, die keine Vertretung in den USA betreibt, in Sachen Steuersünden angeklagt werde.

Gleichzeitig mit der Einreichung der Klage wurden bei der Korrespondenzbank der Wegelin in den USA, der UBS, 16 Millionen Dollar beschlagnahmt. Dies sei durch eine richterliche Anordnung in Verwirkungsfällen geschehen, teilte das Justizdepartement mit.

Wie die UBS-Banker

Im Zuge der IRS-Untersuchung gegen die UBS haben höhere Mitglieder der Bank Wegelin bejahend entschieden, in das illegale Geschäft einzusteigen, aus dem die UBS ausstieg, schreiben die US-Behörden. Die Banker sind dabei mit der Gründung von Scheinfirmen vorgegangen wie davor ihre UBS-Kollegen.

Banker, wie die bereits angeklagten Wegelin-Mitarbeiter, hätten verschiedenen US-Kunden gesagt, dass die undeklarierten Konten dem amerikanischen Steueramt nicht preisgegeben würden, weil Wegelin eine lange Tradition des Bankgeheimnis pflege, heisst es in der Klage.

US-Kunden der UBS seien mit dem Argument angelockt worden, Wegelin habe keine Niederlassung in den USA und sei darum dem Druck der IRS weniger ausgesetzt. Teile des Managements der Bank hätten sich persönlich mit den US-Kunden getroffen.

Staatsanwalt: Kristallklare Botschaft

«Die heute eingereichte Klage macht deutlich, dass wir nicht nur US-Steuerzahler bestrafen wollen, die das Steuerrecht verletzen, sondern auch die Unternehmen und deren Mitarbeiter, die solchen Verbrechen zudienen», sagte der New Yorker Bezirks-Staatsanwalt Preet Bharara. Die Wegelin-Manager hätten sich durch die kristallklare Botschaft, die der UBS-Fall gesandt habe, keineswegs abschrecken lassen.

Die Wegelin-Vertreter sind aufgefordert, bereits am 10. Februar um 15 Uhr vor Richter Jed Rakoff im südlichen Bezirksgericht von New York zu erscheinen.

Die Privatbank Wegelin war letzte Woche unter dem Druck der US-Steuerbehörden zerfallen und hatte den Grossteil ihres Geschäfts an die Raiffeisengruppe verkauft. Das US-Geschäft blieb bei den bisherigen Teilhabern.

Die Auseinandersetzung mit den US-Behörden hätten die Bank in eine «ungeheuer schwierige und existenzbedrohende Lage» gebracht, begründete die St. Galler Privatbank die Zerschlagung der Bank.

(laf/sda)

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