Die auf Qualitätsmessinstrumente in der Textilindustrie spezialisierte Uster Technologies wird künftig von Japan aus kontrolliert. Der Mischkonzern Toyota Industries Corporation (TICO) hat am Dienstag die Übernahme der Aktienmehrheit bekanntgegeben und ein Kaufangebot für die restlichen Aktien angekündigt.

TICO hielt bisher bereits mehr als ein Viertel an Uster Technologies und war damit grösster Aktionär des Unternehmens. Nun hat der japanische Konzern mit einer Beteiligungsgesellschaft, die derzeit knapp 22 Prozent der Uster-Aktien besitzt, einen Vertrag für deren Übernahme unterzeichnet, wie es am Dienstag in einer Mitteilung hiess.

Nach eigenen Angaben kommt TICO damit auf einen Anteil von 50,3 Prozent. Gleichzeitig wird ein Kaufangebot für die restlichen Aktien gemacht. Pro ausstehender Aktie bietet TICO nach eigenen Angaben 21 Prozent mehr, als diese in den letzten zwei Monaten durchschnittlich wert waren.

Für den Verwaltungsrat von Uster Technologies ist dies aber immer noch zuwenig. In einer ersten Stellungnahme vom Dienstag weist das Gremium das Kaufangebot zurück, weil dieses die Wachstumsaussichten des Unternehmens und das gegenwärtige Geschäft unterbewerte. Detailliert zum Angebot äussern wird sich der Verwaltungsrat, wenn der Angebotsprospekt vorliegt.

Auch die Anleger hoffen auf einen besseren Preis: An der Börse machten die Uster-Aktien am Dienstag einen Kurssprung von über 10 Prozent. Sie waren mit 38,70 Franken am Mittag bereits 70 Rappen mehr wert, als TICO zu zahlen bereit ist.

Wie üblich ist sowohl der Kaufvertrag für das Aktienpaket der Beteiligungsgesellschaft als auch das öffentliche Kaufangebot an die Bedingung geknüpft, dass in gewissen Ländern die Wettbewerbsbehörde die Übernahme gutheissen. TICO selbst betrachtet das öffentliche Kaufangebot als zustande gekommen, wenn sie dadurch zu mindestens zwei Drittel des Aktienkapitals kommt.

Eigenständige Tochtergesellschaft

Durch die Übernahme wird sich in den Forschungs- und Produktionsstätten in Uster, im amerikanischen Knoxville und in Suzhou in China nichts ändern. TICO will das Unternehmen als eigenständige Tochtergesellschaft mit dem derzeitigen Management weiterführen. Anderes als heute werde das Unternehmen aber nicht mehr dem Druck des Kapitalmarktes mit kurzfristigen Zielsetzungen ausgesetzt sein, schreibt TICO.

Toyota Industries Corporation beschäftigt selbst weltweit über 40'000 Angestellte und erzielte im vergangenen Geschäftsjahr bei einem Umsatz von 1,5 Billionen Yen (17,2 Milliarden Franken.) einen Gewinn von 47,2 Milliarden Yen (541 Millionen Franken). Der Konzern ist an der Tokioter Börse notiert, der Autohersteller Toyota Motor Corporation ist sein grösster Aktionär.

(rcv/sda)

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