SONOVA. Valentin Chapero, der umtriebige Chef des Schweizer Hörgerätekonzerns Sonova (Ex-Phonak), ist immer wieder für Überraschungen gut. Sein jüngster Streich ist aber nicht nur überraschend, sondern auch brisant. Denn er kündigt seinen Rücktritt gegenüber der «Handelszeitung» an. «In etwa drei Jahren wird die operative Zeit bei Sonova für mich vorbei sein».

«Frühzeitig adressieren»

Dem Unternehmen will er aber über seine Amtszeit hinaus erhalten bleiben. «Ich werde darüber wachen, dass nichts zerstört wird, was wir in den letzten Jahren aufgebaut haben», sagt er (siehe «Nachgefragt»). Dass er den heutigen VR-Präsidenten Andy Rihs ablösen könnte, ist eine der Optionen. Rihs ist Mitbegründer des Unternehmens und hält heute rund 11% des Unternehmens mit Sitz in Stäfa ZH, welches über 3800 Mitarbeiter beschäftigt.Chapero wehrt sich gegen den Vorwurf, dass sein Abgang einen Zusammenhang mit der gescheiterten Übernahme des dänischen Konkurrenten GN Resound habe. «Zu einem professionellen Management gehört es meiner Ansicht nach auch, dass man Themen wie die Nachfolgeplanung frühzeitig adressiert», sagt er.

Ärger über Kartellwächter

Noch hat Chapero mit Sonova viel vor. Speziell wurmt ihn, dass sowohl das deutsche Bundeskartellamt als auch das Oberlandesgericht Düsseldorf im Sommer 2007 die Akquisition von GN Resound untersagt haben. Jetzt hofft er auf den deutschen Medienkonzern Springer (der auch die «Handelszeitung» herausgibt). Springer war nämlich die Übernahme des Medienunternehmens ProSieben Sat1 von den Kartellwächtern ebenfalls untersagt worden. Das oberste deutsche Gericht, der Bundesgerichtshof, entschied nun, dass ein solch wichtiger Beschluss des Kartellamtes auch nach dem Abbruch einer Akquisition überprüft werden könne. «Jetzt kann die Muttergesellschaft von GN Resound mit Verweis auf den Springer-Entscheid beim Oberlandesgericht weiter kämpfen, und wir werden natürlich alles tun, um sie dabei zu unterstützen», sagt Chapero.

Anzeige

Fusion noch nicht vom Tisch

Falls das Fusionsverbot aufgehoben werden sollte und Sonova erneut als Bieter zugelassen würde, werde man sicher eine neue Offerte prüfen. Es gibt laut Chapero nach wie vor genügend Gründe, warum die Akquisition Sinn mache – aber auch genügend Gründe dagegen. «Wie wahrscheinlich ein zweiter Übernahmeversuch wäre, kann und will ich nicht bewerten», so der Sonova-Chef. Auch ohne die grosse Übernahme will Sonova auf Kosten der direkte Konkurrenten Siemens und William Demant zur Nummer eins der Branche aufsteigen. Kleinere Übernahmen werden dabei laufend geprüft. In den nächsten Jahren soll damit die Betriebsgewinnmarge von heute 26% auf 28 bis 30% erhöht werden. Gleichzeitig soll der Umsatz jährlich um durchschnittlich 10% wachsen; im Geschäftsjahr 2006/07 betrug er erstmals über 1 Mrd Fr.

Verkaufsshops in China

Das Wachstum ankurbeln sollen nicht nur die vier neuen Produktlinien (siehe Kasten). Denn Sonova plant auch eigene Verkaufsshops in China. In Österreich (Hansaton) und Belgien (Laperre) betreibt die Firma bereits solche Ketten. «In China versuchen wir, so viele Standorte wie möglich aufzubauen. Das Potenzial ist so gross, dass wir nichts falsch machen können», sagt Valentin Chapero. Momentan betreibt Sonova in China bereits 25 solche Verkaufsstellen. Von eigentlichen Flagship-Stores hingegen hält er nicht viel: «Hörgeräte sind keine echten Konsumgüter», sagt Chapero.

Sonova-CEO

Valentin Chapero zu seinen Zukunftsplänen.

Ihr Arbeitsvertrag läuft bis 2010. Was geschieht danach?

Valentin Chapero:

In etwa drei Jahren wird die operative Zeit bei Sonova für mich vorbei sein.

Und nachher?

Chapero: Ich werde dem Unternehmen erhalten bleiben und darüber wachen, dass nichts zerstört wird, was wir in den letzten Jahren aufgebaut haben.

Sie beerben also Andy Rihs als Verwaltungsratspräsidenten?

Chapero: Dies ist eine der Möglichkeiten.

Sie machen diese Pläne schon früh im Voraus publik...

Chapero: Wir kommunizieren diesbezüglich offen, denn zu einem professionellen Management gehört es meiner Ansicht nach auch, dass man Themen wie die Nachfolgeplanung frühzeitig adressiert.

Werden Sie schon vorher andere Verwaltungsratsmandate annehmen?

Chapero: Im jetzigen Job ist es mir noch nicht langweilig geworden. Ich finde immer wieder etwas, damit Langeweile gar nicht erst aufkommen kann. Grundsätzlich würden mich VR-Mandate zwar reizen, da ich aber nur wenig Zeit habe, muss ich selektiv sein.

Was werden Sie nach Ihrer Zeit als Sonova-Chef tun?

Chapero: Es kann für mich in alle Richtungen gehen. Denn in meinem bisherigen Berufsleben gab es immer die Konstante, dass ich mich etwa alle vier Jahre massiv verändert habe. Seitdem ich in der Schweiz bin, faszinieren mich beispielsweise die Bereiche Venture Capital oder Private Equity. Ich stellte aber auch fest, dass ich mich mehr und mehr für Marketingaufgaben begeistern kann.