Die Burckhard-Compression-Aktie ist nach Veröffentlichung der Jahreszahlen um gut 5% getaucht. Worauf führen Sie dies zurück?

Valentin Vogt: Die Resultate sind grundsolide, doch konnten wir wohl die Erwartungen, die in den Bestellungseingang gesetzt wurden, nicht erfüllen. Jedoch bin ich nicht speziell enttäuscht, schliesslich sind die Titel seit Ende März von 106 auf 150 Fr. gestiegen.

Ihr Ausblick auf das Jahr 2009 fiel zurückhaltend aus. Weshalb?

Vogt: Wir konnten zumindest einen Ausblick zu Umsatz und Ebit-Marge geben. Hier sind wir zuversichtlich, dass wir die Guidance wie in den vergangenen Jahren auch erreichen werden. Beim Bestellungseingang fehlt uns heute die Visibilität, weshalb wir dazu keine Aussage gemacht haben.

Wie sind Sie ins laufende Geschäftsjahr gestartet?

Vogt: Der Bestellungseingang ist noch nicht auf dem Niveau, welches wir erwarten.

Sie bauen temporäre Mitarbeiter ab. Wann folgt die Kurzarbeit?

Vogt: Wir haben unsere Szenarien vorbereitet. Sollte sich der Bestellungseingang in Zukunft auf einem deutlich tieferen Niveau bewegen, dann werden wir reagieren müssen. Wir müssten weitere Massnahmen wie den Abbau von Mehrstunden, Kurzarbeit und im schlimmsten Fall sogar von Stellen in Betracht ziehen.

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Welches sind die grössten Herausforderungen für Burckhardt Compression im laufenden Jahr?

Vogt: Wir müssen die Visibilität zurückgewinnen und sehen, wohin sich der Markt entwickelt.

Was werden Sie tun?

Vogt: Den Markt selbst können wir nicht beeinflussen, aber dafür sorgen, dass wir unsere Hausaufgaben machen. Nachdem wir in den letzten Jahren im Verkauf aus Kapazitätsgründen eher reaktiv und selektiv sein mussten, haben wir die proaktiven Verkaufsaktivitäten deutlich verstärkt.

Wie sieht die Nachfrage in den einzelnen Segmenten aus?

Vogt: Im Gastransport und der -lagerung sind wir eigentlich zuversichtlich. Dasselbe gilt für die Raffinerie. Wir sind eher pessimistisch für die Petrochemie, vor allem für die Niederdruckprozesse. Und beim Industriegas sind die Einschätzungen durchzogen.

Derzeit gibt es Anzeichen einer Stabilisierung der Wirtschaft ...

Vogt: Ich bin eher der Ansicht, dass die Industrie die Talsohle noch nicht erreicht hat. Und zwar nicht nur wir, sondern ein Grossteil der Schweizer Maschinenindustrie.

Der Ölpreis hat aber jüngst wieder deutlich zugelegt, was für Sie positiv sein sollte.

Vogt: Ein hoher Ölpreis ist sicherlich einer der Indikatoren, der das Vertrauen unserer Kunden fördert. Er wirkt sich positiv auf ihre Umsätze aus. Die Entwicklung des Ölpreises ist ein vielschichtiger Prozess, ob im Auf- oder Abschwung.

Doch auch Sie werden dies mit einer Verzögerung positiv spüren.

Vogt: Wir sind ein Spätzykliker, das hat man jetzt gesehen. Die Textilmaschinenindustrie ist seit zwölf Monaten abgetaucht, und jetzt hat der Abschwung auch uns getroffen. Den steigenden Ölpreis nehme ich aber mit einem gewissen Wohlwollen zur Kenntnis.

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Was braucht es noch, damit es wieder aufwärts geht?

Vogt: Es braucht in der Weltwirtschaft mehr Zuversicht. Dass sich der Bankensektor wieder stabilisiert hat, ist sicherlich positiv. Es ist aber auch eine Frage des Wertewandels, nicht in der Maschinenindustrie, aber in der Finanzindustrie. Wer das Gefühl hat, dass es so weitergeht wie 2006 und 2007, liegt wahrscheinlich falsch.

Wie kommt der Ausbau in China und im Mittleren Osten voran?

Vogt: Wir werden in China 2009 in ein grösseres Gebäude umziehen und mit einer Produktion von Komponenten beginnen. Im Mittleren Osten werden wir eine Tochtergesellschaft eröffnen und per Anfang Jahr operativ tätig sein.

Dank der hohen Liquidität könnten Sie akquirieren.

Vogt: Bei Kompressor-Komponentenherstellern und bei kleineren Kompressorenherstellern sehen wir Kaufmöglichkeiten. Konkret ist aber nichts in der Pipeline.

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