Die Berner Valiant-Gruppe geht in die Offensive. Neben verstärkten Werbemassnahmen macht sich die Bank daran, die Schweiz mit zusätzlichen Filialen und Kooperationen zu erobern. Dabei dürfte das Finanzinstitut davon profitieren, dass kleinere und mittlere Banken zusehends Schwierigkeiten hätten, sich zu refinanzieren, sagt der ehemalige CEO und neue Verwaltungsratspräsident der Valiant-Gruppe, Kurt Streit, gegenüber der «Handelszeitung». Streit weiter: «Es würde mich sehr erstaunen, wenn im weiteren Jahresverlauf nicht mehr Bewegung in den Schweizer Bankenmarkt kommt.»

Mit der Werbekampagne verfolgt Valiant ein klares Ziel: «Im Zuge der Finanzkrise haben sich die Regionalbanken zu wenig positioniert. Wir wollten uns als Alternative in Erinnerung rufen», sagt Streit. So gelang es den Bernern im vergangenen Jahr, die Kundengelder um 8,2% zu steigern. Zum Vergleich verzeichnete die Raiffeisen-Gruppe ein Plus von 10,6%.

Partner gesucht

Nicht nur 2008, sondern bereits in den vorhergehenden Jahren verzeichnete Valiant eine Zunahme der Kundengelder. Das beflügelt besonders die Expansionsfantasie des Managements. So wurden beispielsweise im vergangenen Monat gleich zwei neue Filialen in Baden und Bulle eröffnet. Im Juni folgt ein Standort in Lausanne, und bis Ende 2009 soll das Filialnetz durch eine erste Standorteröffnung in Basel erweitert werden.

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Zudem haben sich die Aktionäre Mitte Mai an der ordentlichen Generalversammlung mit der Fusion mit der Bank Jura Laufen einverstanden erklärt. Damit fliessen den Bernern weitere zwölf Geschäftsstellen und eine Bilanzsumme von 1,7 Mrd Fr. zu. Ebenfalls an der Generalversammlung gutgeheissen wurde die Fusion mit der Obersimmentalischen Volksbank, was Valiant einen wichtigen Schritt ins Berner Oberland ermöglicht. Zum aktuellen Zeitpunkt verfügt Valiant über 88 Standorte und eine Bilanzsumme von 19,5 Mrd Fr.

Bei der abgesegneten Fusion mit der Bank Jura Laufen werden aber nicht alle zwölf Filialen vollständig in der Valiant-Bank aufgehen. Teile der übernommenen Bank sollen besonders für die Westschweiz als Tochtergesellschaft geführt werden. Jedoch sorgt deren neue Namensgebung derzeit noch für Diskussionen. «Unser Ziel ist es, diese unter dem Namen Banque Romande weiterführen zu können», so Kurt Streit. Allerdings sind alleinstehende Regionsbezeichnungen markenrechtlich nicht eintragbar. Daher streiten sich nun die Juristen darüber, ob die Romandie eine geografische Bezeichnung im Sinne des Gesetzes ist. Die Wahrscheinlichkeit sei aber sehr gross, dass man sich auf Banque Romande plus einen Zusatz einigen werde, erklärt der VR-Präsident.

Folgt jetzt Zürich?

Mit der neu eröffneten Filiale in Baden und dem bereits 2008 bezogenen Standort Zug rückt Valiant auffallend näher an den Kanton Zürich. Folgt nun der grosse Schritt in das Finanzzentrum Zürich? «Wir wollen durchaus in Richtung Zürich voranschreiten», sagt der VR-Präsident. Jedoch sei Zürich ein hartes Bankenpflaster. «Daher wollen wir diesen Schritt nur über eine Kooperation wagen und nicht durch die Eröffnung einer Geschäftsstelle wie an anderen Orten», sagt der VR-Vorsitzende. Aktuelle Gespräche über mögliche Kooperationen seien derzeit aber nicht im Gange.

Zwar nichts Konkretes, dafür kontinuierlich am Laufen seien Gespräche über Zusammenarbeiten in anderen Regionen. «Bei vielen Banken besteht verstärkt Handlungsbedarf», sagt Streit. Dabei stellt sich vor allem für kleine und mittlere Banken vermehrt die Frage nach der Refinanzierung. «Ich gehe davon aus, dass besonders gegen Jahresende mehr Banken sich Gedanken über ihre Zukunft machen werden, und wir stellen uns als Partner zur Verfügung», so der VR-Präsident.

Angst vor der Gefahr, selber in eine Kostenspirale zu geraten, hat der Valiant-Verwaltungsratspräsident nicht. «Das vorgenommene Wachstum wurde lange im Voraus kalkuliert, ist gut verdaut worden und wird sich daher nicht urplötzlich als belastende Investition in unseren Büchern niederschlagen», sagt er. Ausserdem seien die Gesamtkosten sowohl 2007 als auch 2008 kaum gestiegen. Der Grund liegt vor allem darin, dass die Bank darin bestrebt ist, standardisierte Prozesse wie Zahlungsverkehr, Wertschriftenverwaltung etc. laufend auszulagern. Allerdings fehlen den einzelnen Filialen trotz intakter Margen noch die nötigen Ertragsvolumen. Streit zeigt sich aber zuversichtlich, dass sich dies in absehbarer Zukunft ändern wird.

Es rumort im Management

Neben den Werbe- und Expansionsmassnahmen tut sich derzeit auch einiges im Management des Berner Finanzinstituts. Seit 15. März besetzt Martin Gafner die Stelle des CEO der Valiant Privatbank. «Grundsätzlich gleicht seine Ernennung einem organischen Wachstum», sagt Streit. Denn nach seiner langjährigen Tätigkeit bei der Gewerbekasse Bern (eine der Gründungsbanken der Valiant) und anschliessender Selbstständigkeit kehrte Gafner zur Valiant-Gruppe zurück. «Er war sogar mal für kurze Zeit mein Lehrling und wir standen in seiner gesamten Laufbahn in engem Kontakt», so Streit.

Nicht so reibungslos läuft aber derzeit die Suche nach dem neuen CEO der Valiant Holding AG. Für die Suche wurde mit der Finma ein Zeitfenster von 18 bis 24 Monaten abgesprochen. Bis dahin wird die Konzernleitung durch den CFO Rolf Beyeler koordiniert.