Kioskbetreiberin Valora will endlich wieder wachsen. Die neue Führungscrew um Verwaltungsratspräsident Rolando Benedick und CEO Thomas Vollmoeller hat dabei nicht eben bescheidene Ziele: Bis 2012 soll ein Umsatzschub erfolgen. Das Wachstumsziel liegt bei 3 bis 5% - und das in einem gesättigten Markt wie dem Detailhandel notabene.

Noch kein zweiter Standort

Damit das möglich wird, lotst Valora derzeit in verschiedenen Pilotprojekten die Wachstumschancen mit neuen Konzepten aus. So will man mit neuen Presse- und Buchshops expandieren. Und vor allem: Mit dem Convenience-Konzept «Avec» will Valora durchstarten. So wurde gar im deutschen Gelsenkirchen ein «Avec»-Standort eröffnet. Im 2. Halbjahr sollte ein weiterer deutscher Laden dazukommen. Passiert ist dies bisher jedoch noch nicht. Gemäss Informationen der «Handelszeitung» liegen die Ergebnisse des ersten Testladens deutlich unter den Erwartungen. Ein mit der Sache vertrauter Manager sagt: «Der Markt Deutschland ist preislich gesehen knallhart. Die haben nicht auf uns gewartet.» Wenn die Ergebnisse dieses Testladens in den nächsten Wochen «nicht deutlich besser werden, werden wir die Übung wohl wieder abbrechen.»

Valora-Sprecherin Stefania Misteli erklärt nur: «Wir sind noch daran, inhaltliche Anpassungen vorzunehmen. Bei der Kundschaft kommt der «Avec» gut an. Wir betrachten ihn aber klar noch als Test.» Bis Ende Jahr werde man einen zweiten «Avec» in Essen eröffnen. Man habe sich mit dem ersten Standort «bewusst für einen ‹leisen Eintritt› entschieden und wollen den Markt mit unserem Konzept zunächst richtig testen».

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Mitte Jahr sagte Valora-Chef Vollmoeller noch, dass bezüglich der deutschen «Avec»-Standorte bis Ende Jahr entschieden werde, ob man weiter ins Ausland expandiere oder nicht.

Immerhin: Ein zweites Pilotprojekt, nämlich «Avec»-Shops in drei Tamoil-Tankstellen, läuft offenbar besser. Misteli bestätigt: «Die Tests mit Tamoil sind für beide Partner erfreulich.» Valora-intern scheint man sich jedoch bewusst, dass die Zusammenarbeit durch die politischen Schwierigkeiten mit Tamoil-Besitzerin Libyen nicht eben auf einer soliden Basis steht - obwohl man offiziell erklärt, das spiele keine Rolle.

Ansonsten ist Valora bei der Partnersuche für «Avec» nicht weitergekommen. Es würde immer noch jeder mit jedem reden, heisst es in der Branche. Misteli sagt: «Die Gespräche für eine Partnerschaft laufen nach wie vor.» Nachdem das frühere Joint Venture zwischen Valora und der Migros aufgelöst wurde, sucht Valora nach einer neuen Kooperation. Aufgrund des fehlenden Partners kommt Valora auch bei der Expansion von «Avec» langsamer voran als erhofft. Zwar können einige grossflächige Kioskstandorte umgewandelt werden, doch mehr liegt aus eigener Kraft nicht drin.

Logistikprojekt ist auf Kurs

Dass sich die Aktie von Valora in den letzten Monaten trotzdem gut entwickelt hat, liegt an der Umsetzung der Reorganisation. So wurde die Logistik zentralisiert, was zu Einsparungen führen wird. Misteli: «Das Logistikprojekt wird wie geplant bis Ende Jahr 2009 abgeschlossen sein. Durch das Projekt erwarten wir nächstes Jahr 11 Mio Fr. und bis 2012 13 Mio Fr. an Einsparungen pro Jahr.»

Damit klingt es bei Valora wie so oft in den letzten Jahren: Beim Kostensparen ist man auf Kurs. Nur beim Wachstum, da hapert es noch.