Seit Jahrzehnten macht der Vatikan in der Finanzwelt mehr Schlagzeilen mit fragwürdigen Geschäften als mit ethischem Banking. Immer wieder waren seine Vertreter und Finanzinstitute des Kirchenstaates in dunkle Machenschaften und Skandale verwickelt. Mord, Korruption und Geldwäscherei - der Heilige Stuhl war in manchem Skandal mitten drin statt nur dabei.

Doch nun ist der Vatikan in seinen Bemühungen auf dem Weg zu einem sauberen Finanzplatz einen wichtigen Schritt weitergekommen. Am Dienstag Abend, Schweizer Zeit, hat der Kirchenstaat in Washington mit den USA ein Memorandum of Understanding (MoU) unterzeichnet. Die beiden Länder wollen fortan besser kooperieren bei der Bekämpfung von Geldwäscherei und Terrorfinanzierung sowie dem Informationsaustausch zu diesem Zweck. Dies vereinbarten die jeweiligen Anti-Geldwäschereibehörden, das amerikanische Financial Crimes Enforcement Network (FinCEN) und die vatikanische Autorita di Informazione Finanziaria (AIF).

Schweizer an der Spitze

An der Spitze der Behörden aus dem Vatikan steht der Schweizer René Brülhart. Der 40-jährige Rechtsanwalt gilt als international anerkannter Experte auf dem Gebiet der Geldwäschereibekämpfung. Das MoU mit den USA ist für ihn ein Erfolgserlebnis. Es belege, sagt Brülhart, dass der Vatikan auf höchstem Niveau kooperiere und international als glaubwürdiger Partner anerkannt werde.

Im Sommer 2012 hatte eine Expertengruppe von Geldwäschereibekämpfern bemängelt, dass der Heilige Stuhl nur 9 von 16 Schlüssel- und Kernempfehlungen erfüllte, die heute international Standard sind. Immerhin attestierten sie, dass der Kirchenstaat mit ersten Verbesserungen einen «langen Weg in kurzer Zeit» hinter sich gebracht habe.

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Vatikanbank – mehr als nur ein Geheimnis

Grösster Finanzakteur im kirchlichen Ministaat ist die Vatikanbank mit dem offiziellen Namen Istituto per le Opere di Religione (Institut für religiöse Werke). Sie verwaltet Gelder von 6,3 Milliarden Euro, die 104 Mitarbeiter betreuen 20772 Kunden.

Doch das Institut mit Sitz in direkter Nachbarschaft zum Apostolischen Palast, dem Amtssitz des Papstes, besitzt mehr als nur ein Geheimnis. Bei rund einem Fünftel aller Bankverbindungen gab es in den letzten fünf Jahren keinerlei Kontobewegungen. Die Kontoinhaber sind unbekannt. Insgesamt lagen auf diesen 4494 nachrichtenlosen Konti Ende November 2011 über 30 Millionen Euro.