Als Konsequenz aus ungeklärten Transaktionen wird die Vatikanbank möglicherweise sämtliche Konten von Botschaften schliessen. Mehrere mit dem Fall vertraute Personen berichteten am Montag, das werde voraussichtlich das wichtigste Ergebnis einer von Papst Franziskus angeordneten Untersuchung von Verfehlungen des Instituts sein.

Die Überprüfung soll bis zum Jahresende abgeschlossen sein. Mit einer möglichen Kontenschliessung solle verhindert werden, dass das skandalträchtige Institut für religiöse Werke (IOR) weitere Negativschlagzeilen produziere.

Fehlende Begründungen

Bei den Transaktionen geht es den vier Insidern zufolge um die Abhebung grösserer Beträge von den Konten der iranischen, der irakischen und der indonesischen Botschaft. Das Einlösen von einmalig bis zu 500'000 Euro sei nur unzureichend oder gar nicht begründet worden. So sei für die Abhebung einer erheblichen Geldmenge Renovierungsarbeiten genannt worden.

Die Untersuchung des Geschäftsgebarens der IOR war bereits unter Franziskus' Vorgänger Benedikt XVI. eingeleitet worden, dann aber wegen Streitigkeiten im Klerus ins Stocken geraten.

Die IOR ist eine Privatbank, die gegenwärtig Einlagen von 7,1 Milliarden Euro verwaltet. Ihr eigentlicher Zweck ist das Managen von Fonds der Mönchs- und Nonnenorden, katholischer Wohlfahrtsverbänden sowie von Vatikan-Mitarbeitern. Mittlerweile hat sie aber mehr als 19'000 Konten, die unter anderem von weniger als zwei Dutzend beim Vatikan akkreditierten Botschaften gehalten werden.

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Insgesamt sind 180 Staaten beim Heiligen Stuhl mit Botschaftern vertreten.
Die Botschaften des Iran und des Irak wollten sich zu den Transaktionen nicht äussern. Bei indonesischen Vertretung war von einer Abhebung von 10'000 Euro die Rede. Das Geld sei für persönliche Zwecke und eine Handkasse benötigt worden.

(reuters/rcv)