Sollte es Viktor Vekselberg gelingen, die Macht bei OC Oerlikon zu übernehmen, wird er mühelos weitere Investoren für den Technologiekonzern finden. Denn der Russe geniesst das Vertrauen namhafter Schweizer Unternehmer, wie eine Umfrage der «Handelszeitung» zeigt. Beispiel Peter Spuhler, Unternehmer (Aebi, Stadler Rail), UBS-Verwaltungsrat und SVP-Politiker. «Als Kämpfer für den Werkplatz Schweiz interessiert mich jedes Engagement, das mit diesem Anliegen zusammenhängt», sagt er und fügt bei: «Im Fall von Oerlikon verfolge ich die Entwicklung genau.»

Thomas Borer als Garant

Thomas Borer, mit dem er persönlich verbunden sei, ist für Spuhler ein Garant dafür, «dass er und Viktor Vekselberg ganz in meinem Sinn ein Unternehmen zum Erfolg bringen werden». Ein Engagement bei Oerlikon wäre daher sicher prüfenswert. Doch gebe es auch etwas, das dagegen sprechen könne. Spuhler investiert seine Mittel in die eigenen Firmen. «Mit der jüngsten Fusion von Aebi Schmidt entsteht ein Unternehmen mit 1800 Mitarbeitenden und einem Umsatz von 500 Mio Fr.», betont er. Aber: «Ich sage nicht Nein zu einem Engagement bei Oerlikon, wenn sich die Wolken lichten.»

Damit spricht Spuhler den Machtkampf zwischen Vekselberg und dem österreichischen Investorenduo Ronny Pecik und Georg Stumpf an. Vekselberg, der gut 24% hält, will seine Beteiligung an Oerlikon markant erhöhen und damit die Wiener mit ihrer Investmentfirma Victory, die zuletzt 26% hielten, ausbooten. Victory, die mit Stumpf den VR präsidiert, wehrt sich und verweigert Renova die Eintragung ihrer neuen Oerlikon-Aktien. Was vor rund zwei Jahren als Partnerschaft begonnen hat, ist in einen zähen Streit um die Kontrolle über OC Oerlikon übergegangen.

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Auf welcher Seite die Sympathien liegen, ist in der Schweizer Unternehmerszene ein offenes Geheimnis. Edgar Oehler, Haupaktionär, Präsident und CEO von Arbonia Forster, bringt es auf den Punkt: «Grundsätzlich spricht nichts dagegen, bei OC Oerlikon zu investieren, wenn sich Victory zurückzieht», sagt er. Dass die austro-russische Allianz nicht von langer Dauer sein werde, habe er schon von Anfang an geahnt. Während er sein Vertrauen – sprich: Sein Geld – den Wiener Investoren nicht anvertrauen würde, sieht er bei Viktor Vekselberg kein Problem. «Ihn kenne ich persönlich», betont Oehler. Nägel mit Köpfen werde er trotzdem nicht machen: «Ich werde nicht bei OC Oerlikon einsteigen, weil sich dieses Engagement überhaupt nicht mit unserer Strategie vereinbaren liesse.»

Renova: «Vertrauen freut uns»

Hans Hess, Unternehmer und im VR von Geberit, Burckhardt und Comet, könnte sich ein Engagement dagegen vorstellen. Aber nicht in der derzeitigen Konstellation. «Wenn zwei verschiedene Gruppierungen nicht am gleichen Strick ziehen, ist das nicht gut für die Zukunft des Unternehmens», erklärt Hess. «Das wirkt sich unvermeidlich auch auf den Führungsstil aus und spaltet den Verwaltungsrat wie das Aktionariat.» Sollten sich die Verhältnisse klären, könnte er sich vorstellen, die Lage nochmals zu beurteilen.

Renova will offensichtlich nicht den Anschein erwecken, dass Vekselberg einen Fanclub zusammentrommelt. «Wir freuen uns über das Vertrauen und sehen das als Bestätigung für unsere langfristigen industriellen Absichten», sagt Renova-VR Thomas Borer. Bezüglich der Situation bei Oerlikon messe man der Umfrage aber «keine besondere Bedeutung zu».