Viktor Vekselberg erlangt die weitgehende Kontrolle über den Stahlkonzern Schmolz+Bickenbach (S+B) ohne nochmals im grossen Stil Aktien der Firma kaufen zu müssen. Sein Pflichtangebot zum börsenrechtlichen Mindestpreis ist von fast allen anderen Aktionären ausgeschlagen worden.

Bis zum Ablauf der Angebotsfrist am Montag wurden Vekselbergs Anlagegesellschaft Venetos (eine Tochter von Renova) 208'625 S+B-Aktien zum Kauf angedient. Das entspricht 0,18 Prozent aller S+B-Aktien, wie aus einer Mitteilung der Grossbank UBS, die das Kaufangebot abwickelte, hervorgeht.

Der Anteil von Vekselbergs Gruppe inklusive mit ihm verbundener Gründerfamilien von S+B steigt gemäss den vorläufigen Angaben von 40,46 auf 40,64 Prozent. Sie offerierte 2.85 Franken pro S+B-Aktie, was dem volumengewichteten Durchschnittskurs der 60 Börsentage vor Bekanntgabe des Kaufangebots und damit dem börsenrechtlichen Mindestpreis entsprach, wie Venetos selber geschrieben hat.

Vekselberg war zu einem öffentlichen Kaufangebot gezwungen worden, weil er sich im Machtkampf um das Unternehmen mit S+B-Erben zusammengeschlossen hat, ihnen 25,3 Prozent an S+B abkaufte und gemeinsam auf einen Anteil von über einem Drittel an dem Stahlkonzern kam.

Ausnahme abgelehnt

Ab dieser Schwelle ist ein Kaufangebot an die anderen Aktionäre fällig. Die Übernahmekommission (UEK) lehnte eine Ausnahmegesuch von Vekselbergs Gruppe ab. Diese verfügt damit zwar nicht direkt über die Mehrheit, aber dennoch faktisch über die Kontrolle am Unternehmen.

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Denn oft folgen unabhängige Stimmrechtsvertreter und Depotstimmen beispielsweise von Pensionskassen den Vorschlägen des Verwaltungsrats, oder Stimmrechte werden nicht ausgeübt. Ein Gegenmehr ist so kaum noch möglich. Ähnlich ist die Situation beim Industrieunternehmen Sulzer, wo Vekselberg mit einem Anteil von rund 31 Prozent die Geschicke dominiert.

In der Folge haben bei S+B sieben von acht Verwaltungsräten, darunter Präsident Hans-Peter Zehnder, ihren Rücktritt angekündigt. Das Gremium hatte das Kaufangebot von Vekselberg als zu tief abgelehnt, denn das Unternehmen sei zwischen 3.95 und 5.70 Franken pro Aktie wert.

Vekselberg, die Gründerfamilien und der nach wie vor amtierende Verwaltungsrat verhandeln derzeit mit Banken über die Rekapitalisierung von Schmolz + Bickenbach. Voraussichtlich findet bis spätestens am 26. September eine ausserordentliche Generalversammlung statt.

(sda/vst)