Ein Vertrauter von Grossinvestor Viktor Vekselberg kritisiert im Zusammenhang mit dem Machtkampf um den Stahlkonzern Schmolz + Bickenbach die Credit Suisse. Die Grossbank habe die krisenhafte Lage das Unternehmens ausgenutzt, sagte der für den Verwaltungsrat vorgeschlagene Vladimir Kuznetsov in einem Interview.

Bei einer im Juni beschlossenen Kapitalerhöhung, die im Tauziehen um Macht und Einfluss im Konzern dann gerichtlich verhindert wurde, hätten die kreditgebenden Banken acht bis zehn Prozent Provisionen verlangt. Dadurch seien Millionen geflossen, obwohl es die Kapitalerhöhung nicht gegeben habe, sagte Kuznetsov der «Neuen Luzerner Zeitung».

Neues Gesicht 

Die Vorwürfe gehen vor allem an die CS: «Leider» habe die Bank die Lage des schwer verschuldeten Konzerns ausgenutzt und dann die Gelder einbehalten. Die Provisionen habe man nicht zurückverlangen können. «Aber wir haben die federführende Bank ausgewechselt und neu die UBS eingesetzt», sagte Kuznetsov.

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Im Gespräch mit der Neuen Luzerner Zeitung wie auch in einem Interview mit der «Finanz und Wirtschaft» sprach Kuznetsov von weiteren Restrukturierungen bei Schmolz + Bickenbach. Innert Jahresfrist soll das krisengeschüttelte Unternehmen ein «neues Gesicht» erhalten. Die Sanierung werde aber eine Weile dauern. Mit einer Kapitalerhöhung von 433 Millionen Franken, welche die ausserordentliche Generalversammlung am 26. September beschliessen soll, will Kuznetsov die Abhängigkeit des Konzerns von den Geldgebern verringern.

«Für rund 100 Millionen Euro sollen ausstehende, sehr teure Anleihen zurückgekauft werden», sagte Kuznetsov der Wirtschaftszeitung. Dies solle zügig geschehen. Mit 150 Millionen Euro sollen Bankschulden reduziert werden. Die Banken hätten ursprünglich gefordert, die gesamte Kapitalerhöhung zur Tilgung von Krediten zu verwenden.

Emmenbrücke nicht in Gefahr

Mit dem Rest sollen die Kassen des Konzerns aufgefüllt werden, damit sich dieser besser behaupten kann. Bis in einem Jahr müssten gewisse Erfolge sichtbar sein: «Im Herbst 2014 wird Schmolz + Bickenbach wieder mit den Banken zusammensitzen, um die Kreditvereinbarungen, die bis Frühjahr 2015 gelten, neu auszuhandeln», sagte Kuznetsov.

Eine Restrukturierung sei beispielsweise in jeden Falle beim Vertrieb in Deutschland notwendig. Dieser binde zu viel Kapital und sei kaum profitabel. Am Standort Emmenbrücke LU, wo es um 750 Arbeitsplätze geht, seien die «Hausaufgaben gemacht» worden, sagte Kuznetsov. «Ich sehe daher keine Notwendigkeit, massive Veränderungen in Luzern vorzunehmen», sagte er der Neuen Luzerner Zeitung.

Vertrauen in Management

Auch das derzeitige Führungsduo aus Konzernchef Johannes Nonn und Finanzchef Hans-Jürgen Wiecha geniesst das Vertrauen des Investoren um Vekselberg. Vekselberg hat über seine Gesellschaft Renova respektive deren Tochter Venetos Holding im Sommer von der Erbenfamilie des Stahlkonzerns relativ günstig einen Viertel der Anteile am schweizerisch-deutschen Unternehmen gekauft.

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Von den übrigen Aktionären bekam Vekselberg während des obligatorischen Übernahmeangebots kaum Aktien angedient. Man strebe an, zwischen 25 und 35 Prozent an Schmolz + Bickenbach zu halten.

(sda/muv/rcv)