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Venezuela überschwemmt die Schweiz mit Gold

Im grossen Stil verschiffte Venezuela im Januar Gold in die Schweiz. Das südamerikanische Land steht unter Zugzwang und die Schweiz wird wieder einmal ihrem Ruf als Drehscheibe im Goldhandel gerecht.

Veröffentlicht am 25.02.2016

35,8 Tonnen Gold aus Venezuela erreichten im Januar nach Informationen der Eidgenössischen Zollverwaltung die Schweiz. Die Lieferung hat einen Wert von 1,3 Milliarden Franken.

Für das krisengeschwächte lateinamerikanische Land ist die Schweiz offenbar der ideale Ort, um das Edelmetall in dringend benötigtes Bargeld umzumünzen. Obwohl die Daten der Zollverwaltung nicht offenlegen, wer hinter der Lieferung aus Venezuela steckt, deutet die grosse Menge auf die Zentralbank (BCV) hin.

Ablaufende staatliche Anleihe sorgt für Druck

Auch insgesamt nimmt die Einfuhr von Gold in die Schweiz stark zu. Vier grosse Schweizer Raffinerien verarbeiten 70 Prozent des global produzierten Goldes. Der Import aus Venezuela ist im Januar geradezu explodiert. Der Zeitpunkt der Verschiffung legt nahe, dass mit dem Erlös ein grosser Teil einer staatlichen Anleihe zurückbezahlt werden soll. Heute Freitag werden für die venezolanische Regierung 1,5 Milliarden Dollar fällig.

In Finanzkreisen wurde spekuliert, ob Venezuela seinen Pflichten nachkommen könne. Der venezolanische Handelsminister Jesus Faria versuchte die Gläubiger indes zu beruhigen. «Jede Schuldzahlung dieses Jahr ist gesichert, auch diejenigen vom Freitag und von Oktober und November, wir haben die Ressourcen.»

Weiteres Geld wird benötigt

Nach Berechnungen von Bloomberg muss Venezuela in diesem Jahr weitere 8 Milliarden Dollar für den Schuldendienst auftreiben. Auf eine Erhöhung der Ölpreise kann Caracas dafür aber kaum setzen. Wie lange die Goldreserven noch ausreichen, um die fehlenden Einnahmen zu überbrücken, ist ungewiss. Die offiziellen Zahlen der Zentralbank vom letzten November listen den Wert von etwa 300 Tonnen des Edelmetalls als Reserven. Für das laufende Jahr und die anstehenden Zahlungen würde das ausreichen.

Leichtes Aufatmen auch für das Risiko eines Staatsbankrotts: Die Wahrscheinlichkeit von Venezuela innerhalb der nächsten zwölf Monate pleite zu gehen, sank in den letzten zwei Wochen laut einer Bloomberg-Erhebung immerhin von 83 auf 69 Prozent. Der leicht erholte Ölpreis und die Bemühungen der Regierung, den Engpass bei der Liquidität anzugehen, zeigten Wirkung.

Jumbojets mit wertvoller Fracht

Für Bargeld scheint die venezolanische Regierung ein besonderes Faible zu haben. Wie Medien vor kurzem berichteten, landeten in den letzten Monaten offenbar rund drei Dutzend Frachtflieger mit wertvoller Ladung in Caracas: Die Jumbojets waren auf Order der Politik voll mit Geld. Die eigenen Notenbanken waren nicht in der Lage, derart viel Geld zu drucken, so die Erklärung für die kuriose Aktion.

(jfr, mit Bloomberg)

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