Das Veränderungstempo ist massiv gestiegen. Der Umgang mit Veränderungen ist deshalb heute eine Schlüsselkompetenz. Wer mit dem Gedanken spielt, einen MBA zu absolvieren, sollte sich ernsthaft die Frage stellen, ob ein klassischer MBA oder ein fokussiertes Programm in der Zukunftdisziplin Business Engineering besser für die Herausforderungen der Zeit geeignet ist.

«Change the business» angesagt

Der Master of Business Engineering (EMBE) ist ein Weiterbildungsstudium für Fach- und Führungskräfte, die bereits einiges an Berufs- und Führungserfahrung gesammelt haben. Das Ziel des Lehrgangs ist es, Spezialisten für Veränderungsprozesse auszubilden. Natürlich stellt sich umgehend die Frage, ob es solche Spezialisten braucht, schliesslich liefert Change Management den Leitfaden für den Gang durch Veränderungen. Tatsache ist jedoch, dass rund zwei Drittel aller Veränderungsprojekte scheitern.

Wer schon Veränderungsprojekte gemanagt hat oder anderweitig in ein solches involviert war, der weiss, dass man mit eindisziplinären Ansätzen rasch an Grenzen stösst. Viele Change-Management-Ansätze decken nur einzelne Aspekte von Veränderungen ab, etwa das Verhalten der Involvierten, die Strategie- oder die Organisationsperspektive. Die heutigen Problemstellungen sind aber viel zu komplex, als dass man sie mit einseitigen Konzepten oder gar intuitiv bewältigen könnte. Der EMBE schliesst eine fachliche Lücke. Im Mittelpunkt steht das Konzept des Business Engineering, das mit Systematik, Persönlichkeitsentwicklung sowie Change-Management-Kompetenzen Grundlangen für die Gestaltung der Veränderung liefert. Ergänzt wird das Programm mit ausgewählten klassischen MBA-Themen - angesagt ist «change the business» statt «run the business».

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In einer Veränderungsphase entsteht Gestaltungs- und Erklärungsbedarf: Abteilungen, die ihre gewohnten Leistungen erbrachten, müssen sich plötzlich Aufgaben teilen, müssen miteinander reden und arbeiten, müssen sich aus ihren gewohnten Bahnen lösen. Oft stellt man dabei fest, dass Spezialisten aus unterschiedlichen Themenbereichen Mühe haben, sich zu verständigen. Um aus Veränderungen gestärkt hervorgehen und diese positiv nutzen zu können, muss zudem die ganze Belegschaft mitziehen. Meistens sind nur 10% sofort dabei. Eine ähnlich grosse Gruppe steht auf der Bremse. Der Rest passt sich früher oder später an - ohne Begeisterung, aber auch ohne Widerstand. In dieser Situation ist eine systematische Vorgehensweise entscheidend. Integrationsfiguren sind notwendig, die zielgruppengerecht kommunizieren. Kurz: Wir brauchen gut ausgebildete Veränderungsspezialisten.

Veränderungsprojekte umzusetzen, bedeutet heute noch allzu oft, dass Strukturen und Prozesse aus dem Bauch heraus umgekrempelt werden, anstatt die Situation sauber zu analysieren, zu durchdenken, abzubilden. Um dies zu verhindern, greifen Business Engineers systematisch auf Werkzeuge und Methoden zurück. Business Engineering vermittelt den ganzheitlichen Ansatz, die Systematik, die Transparenz und die interdisziplinären Denk- und Vorgehensweisen, die notwendig sind, um Veränderungsprojekte kontrolliert und systematisch anzugehen.

Business Engineer Guido Binder, Head Projects & Processes bei der Axa Winterthur, formuliert seine Erfahrungen so: «Heute ist es enorm wichtig, offen zu sein und neue Entwicklungen und Veränderungen rasch aufzunehmen. Die Auseinandersetzung mit Business Engineering lieferte mir die Grundlagen dafür. Während des Studiums erhielt ich vertiefte Einblicke in andere Unternehmen und konnte mein Netzwerk erweitern. Auch das war ein Vorteil.» Eine typische Aussage für einen «EMBE-ler». Rund 40% aller Absolventen des Executive Master of Business En-gineering sind Ingenieure vieler Fachrichtungen. Weitere 40% sind Wirtschaftswissenschaftler, denen das spezielle MBA-Programm einen grossen Mehrwert zu ihrem Erststudium bringt, da es nicht auf klassische MBA-Themen, sondern auf Veränderungsmanagement fokussiert. Und was die Programmverantwortlichen dabei besonders freut: Es sind immer mehr Frauen unter den Absolventen.

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Lehrgang gewöhnungsbedürftig

Das Studium ist anspruchsvoll: Für viele Teilnehmende sind die Denkmodelle aus der Ingenieurswelt neu und gewöhnungsbedürftig. Die Auseinandersetzung mit den verschiedenen Gestaltungsbereichen und auch der eigenen Führungspersönlichkeit fordert hohe Flexibilität und Offenheit.

Der EMBE wird berufsbegleitend absolviert, in meist zweiwöchigen Modulen, verteilt über rund 16 Monate. Die relativ langen Abwesenheiten sind nicht für alle Arbeitgeber gleich gut verkraftbar. Rund vier Wochen leben die Absolventen zudem auf dem Campus der Santa Clara University im Silicon Valley in Kalifornien. Weitere acht Tage stehen an der Antai Business School der Jiao Tong University in Schanghai auf dem Programm. Somit kommen in diesem vielseitigen, auf Veränderungskompetenzen fokussierten Programm auch die interkulturellen Kompetenzen nicht zu kurz.