1. Home
  2. Unternehmen
  3. Verband übt harsche Kritik an Microsoft Schweiz

«Lockvogelangebot»
Verband übt harsche Kritik an Microsoft Schweiz

Microsoft Office 365: Die Bürosoftware von Steve Ballmers Firma ist Gegenstand heftiger Kritik. (Bild: Keystone)

Nach Apple steht Microsoft am Pranger wegen Software für Schulen, weil die Firma Schülern und Studenten die «vermeintlich kostenlose» Bürosoftware «Office 365» anbietet. Der Konzern wehrt sich.

Von Christian Bütikofer
am 17.10.2013

Der Lobby-Verband von offener Software «Swiss Open Systems User Group» kritisiert in einer Pressemitteilung das Vorgehen von Microsoft scharf, Schülern und Studenten Microsoft Office 365 vermeintlich gratis anzubieten. Das «Lockvogelangebot des Softwarekonzerns» verleite zur Verletzung des Datenschutzes, schaffe neue Abhängigkeiten und verhindere eine produktneutrale Ausbildung an Bildungsinstitutionen, moniert der Verband. Auch wird ins Feld geführt, dieselbe Kritik bringe die Schweizerische Fachstelle für Informationstechnologien im Bildungswesen SFIB vor.

Neues Programm im Visier

Microsoft hat am 15. Oktober 2013 weltweit sein neues Programm «Student Advantage» angekündigt. Im Rahmen dieses Programms wird allen Schülern und Studierenden ab dem 1. Dezember 2013 Office 365 ProPlus (Plan A3) gratis angeboten. Voraussetzung dabei ist allerdings, dass die Bildungseinrichtung, welcher der Lernende angehört, Lizenzen der Microsoft Office Produkte für alle Mitarbeitenden und Dozierenden gekauft hat.

Datenschutz-Bedenken

Die Swiss Open Systems User Group /ch/open ist empört über dieses neue «Lockvogelangebot» von Microsoft. Der bedingte Gratiszugang für Schüler und Studierende habe offensichtlich zum Ziel, die Bildungsinstitutionen zum Abschluss von Lizenzverträgen mit Microsoft zu zwingen, so der Verband.

Neben pädagogischen Bedenken führen die Gegner auch datenschutzrechtliche Fragen an. Erst im August 2013 habe das Luzerner Bildungsdepartement den Pilotbetrieb von Office 365 abgebrochen, weil Microsoft die Wahrung der gesetzlichen Grundlagen zum Datenschutz bei diesem neuen Produkt nicht garantieren konnte. Der Luzerner Datenschützer lehnte deshalb die Einführung von Microsoft Office 365 an weiteren kantonalen Schulen ab.

Mit der ablehnenden Haltung wegen Datenschutz-Bedenken stehen die Luzerner nicht alleine da, auch in Deutschland regt sich Widerstand. Weil das Software-Unternehmen den US-Geheimdiensten offenbar unverschlüsselten Zugang zu seinen Produkten gewährte, rät der Datenschützer vom Bundesland Schleswig-Holstein, Thilo Weichert, die Cloud-basierten IT-Dienste des Programms Office 365 nicht zu benutzen.

Microsoft wehrt sich

Microsoft-Schweiz-Mediensprecherin Barbara Josef wehrt sich gegen die Vorwürfe: «Das Schreiben der SFIB enthält Aussagen, die nicht korrekt sind. Entgegen der Behauptungen der SFIB ist es nicht zutreffend, dass Bildungseinrichtungen, die nicht mit der Online-Version von Office arbeiten, auf Office 365 migrieren müssen. Es besteht keinerlei Zwang, auf Office 365 zu wechseln. Es handelt sich hier lediglich um ein Zusatzangebot, unter welchem Lernende von einer kostenlosen Office Version über einen Download-Link profitieren können.»

Zur Kritik von SFIB sagt Josef: «Weshalb die SFIB davon ausgeht, dass mit der Nutzung von Office 365 dem Datenschutz nicht entsprochen werden kann, ist uns leider unerklärlich. Im Gegenteil erfüllt Microsoft mit dem vertraglichen Einbezug der EU-Standardvertragsklauseln sogar die strengen Datenschutzbestimmungen der EU sowie die des schweizerischen Bundesgesetzes über den Datenschutz.»

Anzeige