Nach den Eröffnungen der ersten beiden Schweizer Ableger der Auto Teile Unger (ATU) in Spreitenbach und Winterthur im letzten Jahr folgen nach Informationen der «Handelszeitung» schon im März die Filialen drei und vier. Zunächst in Hinwil vor den Toren Zürichs, dann in Bellach SO. Für beide Werkstatt-Häuser werden Neubauten errichtet, bestätigt ATU-Sprecher Markus Stadler. Die Grössenordnung soll mit jeweils rund 1000 m2 einheitlich sein.

Die aggressiven Pläne des mit über 600 Filialen europaweit grössten Auto-Discounters (1,39 Mrd Euro Umsatz) kommt umso überraschender, da das Wintergeschäft in diesem Jahr erneut katastrophal verlaufen ist. Dass mit höheren Umsatzeinbussen zu rechnen ist, kann auch Stadler nicht verhehlen, wenn auch keine offiziellen Zahlen verkündet werden. «Es gibt kein Mittel gegen einen zu milden Winter», klagt Stadler. Das Geschäft mit Winterreifen, dem Hauptumsatzträger, brach jedenfalls gefährlich ein – und das zum zweiten Mal, denn auch im Winterjahr zuvor 2006/2007 waren kein Schnee und keine Kälte zu sehen und spüren gewesen.

Neue Kunden im Fokus

ATU will nun nach eigenen Angaben sein saisonunabhängiges Geschäft forcieren. So soll auch in der Schweiz das sogenannte Flottengeschäft ausgebaut werden. ATU will sich um Car-Management von Unternehmenskunden kümmern. «Wir zielen dabei aber auch stark auf mittelständische Kunden», verrät Stadler. ATU steckt nämlich in der Klemme, denn das von Banken und dem amerikanischen Finanzinvestor KKR gehaltene Unternehmen ist auf Wachstum und schnelle Expansion angewiesen. Darauf zumindest baut das Geschäftsmodell auf. Vor allem die Auslandsexpansion (Schweiz, Italien, Österreich, Osteuropa) soll vorangetrieben werden. Momentan stagniert der Umsatz angeblich bestenfalls. Der vor einigen Tagen verkündete Geschäftsführerwechsel an der ATU-Spitze (neu Michael Kern) wirft in der Branche eher Fragen auf, als dass er zur Beruhigung beiträgt.

Anzeige

Auch an einen Börsengang, wie noch im letzten Jahr spekuliert, werde nicht mehr gedacht, sagt der ATU-Pressemann. So bleibt auch der Schweizer Autogewerbe-Verband AGVS vorsichtig mit seiner Lage-beurteilung. In einer Krisensitzung Ende Januar hatten sich die AGVS-Mitglieder regional getroffen und beraten. Regional seien Auswirkungen von ATU beim Umsatz zu spüren, bestätigt AGVS-Chef Urs Wernli. Doch die befürchteten Preiskämpfe seien zunächst ausgeblieben. «Wir haben immer gewarnt, dass ATU beim Schweizer Autokunden erst Vertrauen aufbauen muss», sagt Wernli. Genau das sei der grosse Vorteil und Vorsprung der Schweizer Werkstatthändler.

Einladung an die Konkurrenz

Doch das Bild kann kippen: Am besten, indem der gefährliche Mitbewerber aus dem Norden schnell ins eigene Boot geholt wird. Wernli jedenfalls bestätigt, dass es schon mal Gespräche mit der ATU-Geschäftsführung gegeben hätte, die auf eine AGVS-Mitgliedschaft zielten. Momentan sei allerdings Funkstille, bedauert Wernli.

«Unter bestimmten Voraussetzungen wären wir bereit, ATU aufzunehmen», erläutert der Verbandschef. Dazu gehöre zum Beispiel die Verpflichtung, Nachwuchs auszubilden sowie einen gewissen Qualitätsanspruch zu garantieren.