Bei den Handyherstellern werden die Karten neu gemischt. Dabei sind es weniger die leicht kopierbaren technischen Funktionalitäten, bei denen die Weichen gestellt werden, als vielmehr die Chips im Inneren der Geräte. Diese werden inzwischen zu kompletten Chipsets, bestehend aus mehreren einzelnen Prozessoren, zusammengefasst. Ein Teil der Funktionen lässt sich als herunterladbare Softwareelemente gestalten, andere werden direkt über die Chips selber programmiert. Durch die Abstimmung der Elemente auf den Chipsets können die Hersteller bestimmen, welche Anwendungen so geschützt sind, dass ihre Businessmodelle funktionieren und beispielsweise nur iPhone-Käufer auf die Apple-Online-Shops zugreifen können.

Das iPhone von Apple basiert auf den Chips von ARM. Auch deshalb verständigten sich Apple-Konkurrent Nokia und ARM-Konkurrent Intel jüngst auf eine Zusammenarbeit. Intel wird Chips auf der Basis der von Notebooks und PC bekannten «x86»-Architektur für mobile Geräte herstellen und einen Teil der 3G-HSDPA-Funktechnologie von Nokia einlizenzieren.

 

Neuentwicklung erst ab 2011

Frühestens 2011 wird das Nokia-Intel-Gespann eine eigenständige Neuentwicklung auf den Markt bringen. Daher wird die Partnerschaft das Problem von Nokia bei den attraktiven Smartphones kurzfristig nicht lösen können. Qualcomm, ein weiterer Intel-Konkurrent im Mobilbereich und Marktführer im Bereich von Handy-Chipsets, wird bereits in den kommenden Monaten seine ursprünglich für Hochleistungshandys entwickelten «Snapdragon»-Chips bei Netbooks lancieren und die auf den Intel-«Atom»-Prozessoren basierenden bisherigen Netbooks unter Druck bringen. Denn laut Industrieanalysten muss bei Snapdragon im Gegensatz zu Intel- basierten Netbooks kein Betriebssystem minutenlang aufgestartet werden und auch die Funktechnologie ist direkt auf dem Chip integriert. Deshalb ist der Stromverbrauch viel geringer, so dass Akkus dreimal länger halten und der Preis ein Viertel unter jenem des «Atom» zu liegen kommen sollte.

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Weil kaum Details über neue Geräte oder Einführungsdaten bekannt gegeben wurden, sprachen die Analysten von JP Morgan beispielsweise von einem «Nichtereignis» - sie beliessen ihre Umsatz- und Gewinnschätzungen für Intel unverändert und rechnen für die 2.-Quartals-Zahlen mit einem Gewinn von 11 Cent pro Aktie. Ihr Kursziel liegt bei 10 Dollar, ein Drittel unter dem aktuellen Kurs.

Für Nokia sind die Analysten von Exane auch deshalb skeptisch, weil die Firma nicht nur mit dem N97 Smartphone hinter den Konkurrenten liegt, sondern auch das «Ovi»-Onlinegeschäft «ein Fiasko» ist. Sie erwarten einen Quartalsumsatz von 10 Mrd Euro, ein Drittel weniger als im Vorjahr, und einen Gewinn pro Aktie von 11 Cent. Sie setzen ihr Kursziel auf 9 Euro, 10% unter dem aktuellen Kurs.