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Clariant
Verkauf nach Saudi-Arabien: So lief der Deal

Clariant-Chef Hariolf Klariant
Hariolf Kottmann, CEO von Clariant,Quelle: Keystone

Dem Verkauf der Basler Chemiefirma Clariant ging ein wahrer Krimi voraus. Der Deal erfolgte in letzter Sekunde.

Von Stefan Barmettler
am 26.01.2018

Eigentlich war alles bis ins Detail für den grossen Kampf an der Generalversammlung von Clariant vom 19. März vorbereitet. Dort sollten die Aktionäre entscheiden, ob sie den Investoren aus den USA ihr Stimme gäben oder dem Management, das sich gegen die Amerikaner stemmte.

Letzte Woche überschritten die US-Investoren die meldepflichtige Schwelle von 25 Prozent Aktienanteil. Damit waren sie definitiv zum neuen Machtzentrum der Firma aufgestiegen. Der neue Ankeraktionär aus Übersee hatte das Ziel, einen Teil des Verwaltungsrats neu zu bestellen. Vorgesehen war – an Stelle der renitenten Verwaltungsräte der Generalversammlung – neue, unabhängige Industrieexperten plus zwei Vertreter des neuen Ankeraktionärs ( David Winter, David Millstone) vorzuschlagen.

Absehbar war ein Kampf um jede Stimme. Denn die Ankeraktionäre konnten sich leicht ausrechnen: Um sich an der Clariant-GV mit ihren Anträgen gegen die Konzernleitung durchsetzen zu können, wäre eine Mehrheit der versammelten Stimmen notwendig.

Credit Suisse meldet sich

Doch es kam anders, und zwar ganz schnell. Letzten Wochenende meldete sich die Investmentbank der Credit Suisse bei den US-Investoren und unterbreitete ihnen den Kaufwunsch der saudiarabischen Staatsfirma Sabic. Ab diesem Zeitpunkt wurde in New York Tag und Nacht verhandelt.

Vermutlich gab es eine Verhandlungshürde bei den amerikanischen Co-Investoren zu überwinden: Während die Industrieinvestoren David Winter und David Millstone  - sie hielt 18 Prozent  an Clariant – wohl am geplanten Hosenlupf mit dem Clariant-Management festhalten wollten, war das Angebot für den Hedgefund-Manager Keith Meister – er hielt 7 Prozent - eine attraktive Gelegenheit, seinen Clariant-Anteil zu versilbern. Mit einem Split der US-Partner aber wäre ein Streit an der GV mit der Clariant-Spitze zum Scheitern verurteilt gewesen.

Kennen Aktionär seit 15 Jahren

Mittwoch Nacht müssen sich Amerikaner und Saudis einig geworden sein. Stunden später - es war nun Donnerstag morgen kurz vor 9 Uhr - wurde der Verkauf des 25-Prozent–Pakets an Clariant publiziert. Die Amerikaner dürften mit dem Paketwechsel nach Saudi Arabien inklusive einem schönen Paketzuschlag insgesamt 800 Millionen verdient haben – 500 Millionen für Winter und Millstone, 300 Millionen für Meister.

Als Sieger geht fürs erste Hariolf Kottmann, CEO von Clariant, durchs Ziel. Er hat mit Sabic nun einen bestimmenden Aktionär, den man bei Clariant seit 15 Jahren kennt. Clariant und Sabic haben 2003 gemeinsam die Firma Scientific Design gegründet.

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