Der seit einem Jahr amtierende Thyssen-Krupp-Chef Heinrich Hiesinger sieht den Umbau des Industrie-und Stahlkonzerns auf gutem Weg. Auf der Generalversammlung in Bochum bekräftigte der Konzernchef sein Vorhaben, sich von mehreren Geschäftsbereichen trennen zu wollen. Damit will der Konzern die Verschuldung reduzieren und Spielraum für Wachstumsinvestitionen erhalten. Auch die bis zum Jahresende geplante Trennung von der Edelstahlsparte Innoxum verlaufe nach Plan.

Für das laufende Geschäftsjahr 2011/2012 verzichtete der Konzernchef weiter auf eine Prognose. Hintergrund seien Unsicherheiten über den Verlauf der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland. Im ersten Geschäftsquartal, das am 31. Dezember endete, habe das Unternehmen einen deutlich Ergebnisrückgang im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum verbucht. Dabei seien beim Stahlgeschäft in Brasilien und den USA weitere Verluste entstanden. Genaue Zahlen zu den ersten drei Monaten des Geschäftsjahres will das Unternehmen am 14. Februar vorlegen.

Bei den neuen Stahlwerken in Brasilien und den USA rechnet der Konzern weiter mit roten Zahlen. «Die Ergebnis- und Finanzsituation der Amerikaprojekte lässt sich auch nicht kurzfristig ins Positive drehen, sondern wird noch einige Zeit benötigen», sagte Vorstandschef Heinrich Hiesinger. Im laufenden Geschäftsjahr erwarte er bei Steel Americas ein «deutlich negatives Ergebnis». Anfang Dezember hatte Thyssen Krupp für sein Amerika-Geschäft 2,1 Milliarden Euro Abschreibungen bekanntgeben müssen. Neben deutlich höheren Investitionskosten machen dem Konzern technische Probleme in Brasilien sowie die Schwäche der Absatzmärkte in den USA und Europa zu schaffen.

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Was geschieht mit dem Werk in Brasilien?

«Da die technischen Probleme noch nicht vollständig gelöst sind, werden wir auch im ersten Halbjahr unseres laufenden Geschäftsjahres erhebliche Ergebnisbelastungen bei Steel Americas haben», betonte Hiesinger. Eine Verbesserung sei erst im zweiten Halbjahr des Geschäftsjahres zu erwarten. Der Abschluss des technischen Hochlaufs sei für das vierte Quartal des laufenden Jahres geplant. Anschliessend gelte es, die Kosten zu optimieren.

«Trotz der aktuellen Schwierigkeiten sind wir weiter davon überzeugt, dass der amerikanische Markt für unsere Premiumprodukte im Flachstahlbereich aussichtsreiche Perspektiven bietet und dass wir uns dort wie in Europa vom Wettbewerb differenzieren können», so Hiesinger. Um dieses Potenzial zu heben, führe aber kein Weg daran vorbei, den technischen Hochlauf der Werke in Brasilien und in den USA zu einem erfolgreichen Ende zu bringen und die Kosten dort zu optimieren.

Nach den milliardenschweren Wertberichtigungen erwägt Thyssen Krupp mittlerweile scheinbar auch einen Verkauf vor allem beim Werk in Brasilien. Als Käufer gilt nach Berichten vom «Manager Magazin» und dem «Handelsblatt» der brasilianische Bergbaukonzern Vale, der bereits mit 27 Prozent an dem Werk beteiligt ist. Ein Rückzug aus dem Projekt könne noch in diesem Jahr erfolgen. Thyssen Krupp hat sich zu diesen Spekulationen bisher nicht geäussert.

(muv/awp)