Der Verkehrspersonalverband SEV kritisiert den den Entscheid von SBB Cargo, 128 Verladepunkte nicht mehr zu bedienen. Gegenüber der Nachrichtenagentur sda spricht SP-Nationalrat und SEV-Gewerkschaftssekretär Philipp Hadorn (SO) von einem «Affront».

SBB Cargo habe den Entscheid gefällt, bevor die vom Parlament verlangte Gesamtkonzeption für den Güterverkehr stehe. Eine solche hatten die eidgenössischen Räte vor gut einem Jahr per Motion beim Bundesrat bestellt. «Bis die Politik sagt, was sie will, hätte es andere Lösungen als eine Schliessung geben müssen», sagte Hadorn.

Falsches Signal

Für ihn geht der Entscheid auch unter dem Aspekt der Verlagerungspolitik in eine völlig falsche Richtung - bei allem Verständnis für die betriebswirtschaftlichen Probleme von SBB Cargo. In einigen Fällen seien zwar Lösungen gefunden worden. Dank dem Druck der Gewerkschaften sei es auch gelungen, 30 der insgesamt 155 überprüften Bedienpunkte zu retten.

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Trotzdem würden unter dem Strich mehr Güter auf der Strasse transportiert. Hadorn befürchtet, dass wegen der Schliessung von Verladebahnhöfen jährlich zehntausende zusätzliche Lastwagen auf Schweizer Strassen verkehren. Das liegt nicht weit weg von den Schätzungen von SBB Cargo.

Das Unternehmen geht nach eigenen Angaben davon aus, dass trotz der Reduktion des Verladenetzes 98 Prozent des heutigen Transportvolumens weiterhin auf der Schiene transportiert werden können. Bei täglich knapp 200'000 Tonnen Gütern sind das 4000 Tonnen mehr auf der Strasse, was - inklusive Leerfahrten - Dutzende von zusätzlichen Lastwagenfahrten pro Tag bedeuten könnte.

Nicht für die Schiene geeignet

SBB Cargo führt dagegen wirtschaftliche Überlegungen ins Feld. Die 128 Bedienpunkte, an welchen keine Güterwagen mehr abgeholt oder zugestellt werden, seien sehr schlecht ausgelastet, schreibt das Unternehmen. Im Durchschnitt werde an diesen Verladebahnhöfen weniger als ein Wagen pro Tag befördert. Von der Menge her gesehen, seien diese Bedienpunkte eigentlich nicht für die Schiene geeignet.

Die seit Jahren defizitäre SBB Cargo hofft, mit der Reduktion der bedienten Verladebahnhöfe 35 Millionen Franken im Jahr sparen zu können. Ein grosser Teil der Einsparungen dürfte auf Kosten des Personals gehen: 200 Stellen werden im Zug der Reduktion des Verladenetzes abgebaut. Davon sind nach Angaben des Unternehmens rund 100 Personen betroffen. Entlassungen solle es keine geben.