Die Eignerfamilie der Wirtschaftszeitung «Wall Street Journal» (WSJ) will das Übernahmeangebot des Medienkonzerns News Corp. ablehnen. Ein VR des Herausgebers Dow Jones teilte im Auftrag der Bancrofts mit, dass die Familie mehr als 50% der Stimmrechte gegen die Offerte aufbringen wolle. Insgesamt verfügen die etwa drei Dutzend Familienmitglieder über 64,2% der Stimmen.

«Wir haben gehört, dass sie dem Angebot nachgehen wollen», sagte jedoch News-Corp.-Chef Rupert Murdoch in einem Interview mit seinem Fernsehsender Fox News. «Es ist ein grosszügiges Angebot.» Er rechne damit, die Familie in den kommenden Wochen zu treffen. Murdoch will 5 Mrd Dollar für Dow Jones zahlen.

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Murdochs Offerte ist sehr hoch

Unternehmensbeobachter bewerteten die Tatsache, dass die Bancrofts nicht alle Stimmrechte gegen Murdoch aufbringen, als Indiz für die Unentschlossenheit der Familie. Sie könnte auf ein noch höheres Angebot durch News Corp. oder einen anderen Bieter hoffen. Die Muttergesellschaften von «Washington Post» und «New York Times» gelten als mögliche Interessenten. Analysten bewerteten Murdochs Offerte jedoch bereits als sehr hoch. Sie liegt zwei Drittel über dem in den vergangenen zwölf Monaten erreichten Höchstkurs der Dow-Jones-Aktie.
Das «Wall Street Journal» ist seit über 100 Jahren im Besitz der Bancrofts. In der Vergangenheit hatte die Familie Gerüchte über Verkaufsabsichten stets zurückgewiesen. Zuletzt war dies 2005 der Fall, als Murdochs bislang einzige grössere US-Zeitung «New York Post» über einen möglichen Verkauf berichtet hatte. Ein Übernahmeversuch durch die «New York Times» soll im Jahr 2002 gescheitert sein.
Bislang ist der Australier Murdoch in den USA vor allem im Fernseh- und Filmgeschäft tätig. Mit der Übernahme des «Wall Street Journals» käme eine weitere renommierte Zeitung in das Portfolio des Konzerns. In England gehören Murdoch bereits etliche Blätter wie «The Times».