Die heutigen Marktverhältnisse zwingen den Investor einmal mehr dazu, den Fokus auf Kapitalerhalt und nicht primär auf Kapitalvermehrung zu legen. Genügend Ertrag zur langfristigen Deckung der Lebenshaltungskosten ist oftmals wichtiger als steuerfreie Kapitalgewinne. Vermögenssicherung ist aber auch im Hinblick auf die Vermögensübertragung ein zentrales Thema. Das Vermögen sollte einerseits krisenresistent angelegt sein. Andererseits sind eine zweckmässige Strukturierung, genügend freier Cashflow und klare Verantwortlichkeiten wichtig.

Was vor einem Jahr noch undenkbar erschien, ist Realität geworden: Ein angeschlagenes Finanzsystem und eine sich abschwächende Realwirtschaft. Die Preise der börsenkotierten Unternehmen sind stark zurückgegangen, und der Verkauf privater Unternehmungen dürfte wieder schwieriger werden. Zweistellige Renditen gehören der Vergangenheit an, und mancher Anleger stellt sich die Frage, wie seine finanzielle Zukunft aussehen werde.

Um bösen Überraschungen vorzubeugen, ist es sinnvoll, die Vermögenswerte zweckmässig zu gliedern in stabile und werterhaltende Sachwerte mit einem genügend grossen Cashflow, klar fokussierte, solide Wachstumsanlagen und einen Teil für kurzfristige Opportunitäten oder Anlagen mit mehr Risiko (siehe Grafik).

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Bank- und Nicht-Bankanlagen

In starken Aktienjahren mit steuerfreien Kapitalgewinnen sind steuerbare Einnahmen oft verpönt. Gerade für ältere Anleger und solche mit einem regelmässigen Bedarf sind aber sichere und wiederkehrende Einkommen entscheidend. So wie Lebenshaltungskosten ein kalkulierbarer «cash drain», also ein Geldabfluss sind, sollten diesen entsprechende Einnahmen gegenüberstehen. Eine Faustregel besagt, dass

in einer ersten Stufe die Einnahmen aus Salär/Tantiemen, Renten, Mietzinseinnahmen und Obligationenzinsen die Lebenshaltungskosten decken sollten. Kapitalgewinne, Boni und Dividenden decken dann den überschüssigen Bedarf. Je kleiner das Einkommen und das Vermögen, desto sorgfältiger müssen die Parameter aufeinander abgestimmt werden;

in einer zweiten Stufe die Einnahmen aus Salär/Tantiemen/Renten, Mietzinseinnahmen und Obligationenzinsen die Lebenshaltungskosten übersteigen sollten. Dann ist der Investor frei und unabhängig von Markt- und Berufsentwicklungen;

in einer dritten Stufe aus den Überschüssen laufend zusätzliche cashflow-starke Anlagen erworben werden können.

Und doch muss ein grösseres Vermögensportfolio auch Wachstumsanlagen umfassen.

Dazu gehören Anlagen in soliden Unternehmungen mit tiefer Verschuldung und einem soliden Management, Direktanlagen oder Private-Equity-Anlagen sowie marktneutrale Anlagen mit einer tiefen Volatilität und einer soliden Performance. Damit Opportunitäten wahrgenommen werden können, ist genügend Liquidität erforderlich. (Über-)investierte Anleger verpassen zu viele Gelegenheiten. Opportunitäten wahrzunehmen heisst aber nicht, in Wildwestmanier zu investieren, sondern interessante Investitionschancen einer besonders sorgfältigen Prüfung zu unterziehen. Nicht nur der Einstieg, sondern vor allem der Ausstieg muss sorgfältig abgeklärt und fixiert werden.

Unterschiedliches Risikoprofil

Das Wichtigste: Je unsicherer die Zeiten, desto höher und besser diversifiziert muss die Liquidität sein; denn nur dies schafft Entscheidungsfreiheit. Nicht umsonst haben wohlhabende Familien jeweils rund ein Viertel ihres Vermögens in Bargeld/Obligationen, Liegenschaften, Aktien/Beteiligungen und marktneutralen Anlagen investiert.

Wie das meiste im Leben, will auch der Umgang mit Geld und Vermögenswerten erlernt werden. Viel zu oft müssen Kinder und/oder (Ehe-)Partnerinnen die Verantwortung übernehmen, ohne genügend darauf vorbereitet zu sein. Eine gute Einführung erfolgt in drei Schritten (siehe Kasten).

Viel zu oft müssen die Nachfolger direkt die Entscheidungsbefugnis (Stufe III) übernehmen und fühlen sich damit überfordert oder sind Personen ausgeliefert, bei denen das Kundenbedürfnis nicht zuoberst steht. Dazu kommt, dass mehrere Familienmitglieder oder Generationen zusammen ein anderes Risikoprofil aufweisen als Einzelpersonen.

Bei der Übertragung von Vermögenswerten – vor allem wenn es neben Bargeld und Wertpapieren um Immobilien und Unternehmensbeteiligungen geht – sind die erbrechtlichen Massnahmen oft noch wichtiger als die reinen Vermögensfragen. Rechtzeitig geschaffene Strukturen, einvernehmlich gelöste Vermögensaufteilungen und klare Verantwortlichkeiten verhindern Streit, Vermögensvernichtung oder unnötige Steuerfolgen. Diese Massnahmen – zu Lebzeiten getroffen – können grundsätzlich immer wieder geändert werden. Sie schaffen aber Klarheit, Transparenz und Goodwill. Die heutigen «patchwork families» – oft über den ganzen Globus verstreut – sowie eine höhere Lebenserwartung und komplexere Vermögensstrukturen bedingen rechtzeitige und einvernehmliche Lösungen.

Family Office hilft

In sensiblen Vermögensfragen ist ein Unabhängiger oft der bessere Partner als eine Institution oder ein Berater mit kommerziellen Zielsetzungen. Dazu kommt, dass bei komplexeren Fragestellungen verschiedene Spezialisten koordiniert werden müssen. Ein umfassender Ansatz mit einem bankenunabhängigen Reporting, hoher Kostenorientierung und der Auswahl der besten Spezialisten für die Teilaufgaben hat sich bewährt. All dies und einen weiteren Vorteil kann ein Family Office als Vermögensspezialist bieten: Es vertritt ausschliesslich die Interessen seiner Kunden und hat keine Interessenkonflikte.