Bei einem Vermögensanfall, sei er etwa aus Erbschaft oder Vorsorgekapitel der 2. oder 3. Säule, stellt sich die Frage nach der geeigneten Mittelverwendung. Häufig konzentrieren sich die Anstrengungen dabei unmittelbar auf die Evaluation von Wertschriften. Dies ist derzeit besonders anspruchsvoll, da

an den Aktienmärkten bereits eine fulminante Entwicklung stattgefunden hat,

viele Anleger schlechte Erfahrungen mit strukturierten Produkten und Hedge-Fonds machten,

fast keine festverzinslichen Anlagen in Schweizer Franken mit einer attraktiven Rendite greifbar sind und

erwartete Zinserhöhungen Druck auf Obligationen- und Immobilienanlagen ausüben dürften.

Der anhaltende Erfolg von Vermögensanlagen hängt in erster Linie von der richtigen strategischen Ausrichtung ihrer Verwendung ab. Diese zu definieren findet über einen mehrstufigen Prozess statt. Er beinhaltet in einem ersten Schritt die Beurteilung der Vermögenssituation inklusive Schulden sowie der Einnahmen und Verpflichtungen. Diese Daten lassen ein schlüssiges Bild betreffend Risikofähigkeit, negative Entwicklungen der Finanz- und Kapitalmärkte finanziell zu verkraften, zu. In einem zweiten Schritt gilt es, die Risikoneigung, den Grad an Einbusse der persönlich empfundenen Lebensqualität bei negativen Entwicklungen der Finanz- und Kapitalmärkte, zu definieren.

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Aus diesen Informationen lässt sich dabei typischerweise die Anlagestrategie für die langfristige Investition des Vermögensanfalls erstellen, wobei über eine entsprechende Gewichtung der einzelnen Anlageklassen insbesondere der Diversifikation Rechnung getragen werden soll. Die Anlagestrategie an sich sagt jedoch nichts über die eigentliche Verwendung der verfügbaren absoluten, sondern lediglich über die relative Aufteilung der zu investieren gedachten Mittel aus. So kann es angebracht sein, nicht den ganzen Vermögensanfall unmittelbar in Wertpapiere zu stecken. Sowohl die Amortisation von Schulden, etwa Hypotheken, als auch das Bereitstellen von Bargeld kann sich als Mittelverwendung eignen. Letztere gewinnen insbesondere an Bedeutung, wenn turbulente Zeiten durchlaufen wurden oder solche mit erhöhter Unsicherheit bevorstehen. In diesen Fällen dürfte es sinnvoll sein, bei der Verwendung eines Vermögensanfalls dem Aspekt Sicherheit vermehrt Beachtung zu schenken.

Aufteilung des Kapitals

In der Praxis widerspiegelt sich dieses Vorgehen auf erster Stufe durch eine Aufteilung des Vermögensanfalls in verschiedene Kapitalblöcke. Ein erster Block dient zur unmittelbaren Amortisation existierender Schulden. Ein zweiter wird mittelfristig in Form von Liquidität oder vergleichbaren Anlagen im Geldmarkt gehalten. Dieser Teil wird für kurz- bis mittelfristige Verpflichtungen, in naher Zukunft geplante Rückzahlungen von Schulden bzw. Investitionen herangezogen. Erst den dritten Kapitalblock gilt es effektiv zu investieren. In Abhängigkeit des Zeitpunkts des Bedarfs dieser Mittel, des Bedürfnisses nach Sicherheit sowie aufgrund steuerlicher Überlegungen drängt sich in der Vermögensverwaltungs- und Beratungspraxis wieder vermehrt der Einsatz klassischer Lebensversicherungen der Säule 3b als Obligationenersatz auf - trotz aktuell tiefer Renditen.

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Alternative Lebensversicherung

Die Rendite schweizerischer Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren liegt gemäss den jüngsten Werten der Nationalbank bei 1,87% - vor Steuern. Dies entspricht, in Abhängigkeit der individuellen Rahmenbedingungen, in etwa der bei einer klassischen Lebensversicherung der Säule 3b mit zehn Jahren Laufzeit zu erwartenden Rendite inklusive Überschüssen - nach Steuern. Unter Annahme eines Grenzsteuersatzes von 30% entspricht die Rendite der Lebensversicherung vor Steuern etwa 2,6% - im Vergleich zu den 1,87% des Eidgenossen. Nicht vergessen werden dürfen zudem noch die Kosten, die bei der Wertschriftenverwaltung, namentlich durch Dritte, anfallen. Diese belaufen sich je nach Anbieter und Preismo-dell auf 0,5 bis über 1,0% auf den investierten Mitteln, und zwar jährlich. Werden ausserdem die bei Versicherungen anfallenden Abschlussprovisionen mindestens teilweise den Versicherungsnehmern zugestanden, kann der Renditevorteil der klassischen Lebensversicherung auf 1,5 bis über 2,0% jährlich ansteigen. Zugegebenermassen ist es bei einer Lebensversicherung mit Ausnahme der Überschüsse kaum möglich, von steigenden Zinsen zu profitieren, dafür ist erfahrungsgemäss auch das Verlustpotenzial äusserst gering.

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Das genannte Beispiel soll damit als mögliche Alternative zur Investition in längerfristige Obligationen, namentlich in Schweizer Franken, aufgefasst werden. Dadurch kann nicht nur der Diversifikationseffekt über das gesamte Wertschriftenportfolio erhöht, sondern gegebenenfalls auch der Spielraum bei den dynamischeren Anlageinstrumenten ausgeweitet werden.