Um ihren Kopf im schwelenden Steuerstreit zumindest teilweise aus der Schlinge ziehen zu können, haben die im Visier der USA stehenden 11 Schweizer Banken Daten von Mitarbeitern und Dritten an US-Behörden übermittelt. Dabei hätten die Banken für die Wahrung ihrer Interessen «Kollateralschäden» ganz bewusst in Kauf genommen, schreibt der Verband Schweizerischer Vermögensverwalter (VSV) an seine Mitglieder in einer internen Mitteilung, die «Handelszeitung Online» vorliegt.

Bereits Mitte April war der Verband bei Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf vorstellig geworden: Sie hatte den Banken grünes Licht zur Herausgabe der Daten - darunter auch solche von im VSV zusammengeschlossenen externen Vermögensverwaltern - gegeben und es dabei laut Verband versäumt, klare Auflagen an die Finanzinstitute zu machen. Die Kommunikation bezeichnet dieser denn auch als «missglückt».

Anders als bei den ebenfalls betroffenen Bankmitarbeitern sowie Treuhändern und Juristen sind bei den Vermögensverwaltern persönliche Daten den US-Behörden bereits vorgängig bekannt gewesen - entweder weil die Depots ihrer US-Kunden deklariert waren oder weil diese im Rahmen von Offenlegungsverfahren von früher unversteuerten Kundenbeziehungen den US-Börsen offengelegt worden seien.

Verständnis und Kritik

Vergangenen Monat startete der VSV eine Umfrage bei seinen Mitgliedern. Nebst einem gewissen Verständnis für das Handeln der Banken, fallen die Reaktionen mitunter auch harsch aus. So traue eine Mehrheit der befragten Vermögensverwalter Banken auch schweren Rechtsbruch zur Wahrung der eigenen Interessen zu. «Die Mitglieder zeigten sich nicht allzu sehr überrascht über die Datenweitergabe und die Versuche der Verheimlichung», heisst es.

«Unabhängige Vermögensvermögensverwalter sind nicht ohne Grund ‹unabhängig› geworden», erklärt Andreas Brügger von der VSV-Hauptniederlassung Zürich auf Anfrage von «Handelszeitung Online». «Sie stehen den Praktiken der Banken durchaus auch kritisch gegenüber, sind nicht wie Bankmitarbeitende bei der Bank angestellt und beurteilen die Situation folglich aus Sicht eines Unternehmers.»

Dialog mit den Banken

Auch mit den Banken selbst hat der VSV den Dialog gesucht - das Spektrum der Antworten habe laut Papier an die Mitglieder von «sehr differenziert und auf die Anliegen der Branche fokussiert» bis hin zu «dumm und frech» gereicht. Als Beispiel für Letzteres nennt Brügger schroffe Absagen im Stil von: «Wir sehen keinen Grund, weshalb wir dem VSV Auskunft erteilen sollten.»

Grosse und wichtige Depotbanken der unabhängigen Vermögensverwalter hätten aber «sehr differenzierte und wohlüberlegte Antworten»gegeben, fügt Brügger an.

Der Vermögensverwalter-Verband zieht unter den «schweren Unfall auf Kommunikationsebene» einen vorläufigen Schlussstrich. «Das Thema Datentransfer ist mit dieser Mitteilung an unsere Mitglieder, falls denn keine anderen Ereignisse mehr eintreten oder neue Schlaumeiereien bekannt werden, erledigt», sagt Brügger.

Anstrengungen für den Finanzplatz

Das Staatssekretariat für internationale Finanzfragen (SIF) unternehme gemäss Brügger «grosse Anstrengungen, um für die Steuerthemen der Schweiz mit den USA sowie wichtigen europäischen Ländern gute Lösungen zu finden, von denen auch die unabhängigen Vermögensverwalter profitieren werden».

Eher unwahrscheinlich ist es, dass VSV-Mitglieder - wie in der Umfrage angegeben - zu einem späteren Zeitpunkt straf- oder zivilrechtliche Schritte gegen die Banken einleiten. Nur eine verschwindend kleine Zahl hätte sich diese Option überhaupt offengelassen.

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