Die finanzielle Förderung für energieeffiziente Immobilien setzt in fast allen Kantonen die Schwerpunkte in den Bereichen Isolation (Minergie-Sanierung) und erneuerbare Energien. Die Grundlagen dazu bieten das Energiegesetz und dessen Verordnungen. Die Fördermittel fliessen vorwiegend und auch sinnvoll ins Segment der Wohnbauten.

Im Gegensatz zu den einfachen Heizungsanlagen in Wohnhäusern gibt es für komplexe Anlagen in Industrie- und Betriebsgebäuden, Hotels und grösseren Bürobauten aber praktisch keine schlüsselfertigen Lösungen für wirtschaftliche Energieeffizienz. So ist in solchen Fällen die Sanierung der Gebäudehülle nach Minergie-Standard mit Investitionen verbunden, die sich auch bei einem Ölpreis von 120 Dollar/Barrel nur sehr langfristig amortisieren. Im Segment Zweckbau gilt es also nicht zuerst an Solartechnik und Wärmepumpe zu denken, sondern vielmehr ein wirksames, aktives Energiemanagement zu betreiben. Das heisst in groben Zügen:

1. Zentralisierung aller energierelevanten Informationen: Eine der wichtigsten Voraussetzungen für den Betrieb von energieeffizienten Immobilien ist die Vernetzung aller Energieverbraucher und Quellen. Die Gewerke Heizung, Lüftung, Klima, Elektro und Gebäudehülle müssen über ein Netzwerk Informationen austauschen können. Nur so wird es überhaupt möglich, Energieverbraucher und Quellen optimal aufeinander abzustimmen. In Bürogebäuden kann durch die bedarfsgerecht gesteuerte Belüftung, Beleuchtung und Beschattung jedes einzelnen Raumes ohne weiteres 20% Energie eingespart werden. Durch die Zentralisierung aller energierelevanten Informationen (Messwerte) auf einem zentralen Rechner ist der Betreiber der Immobilie in der Lage, den gesamten Energieverbrauch in einem Blick zu erfassen und daraus Massnahmen zu dessen Reduzierung abzuleiten.

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2. Planung der Energiereduktion: Der erfolgreiche Energiemanager setzt Ziele zur Reduktion des Energieverbrauchs über eine Frist von mehreren Jahren. Je nach Art und Zustand der Immobilie definieren Experten ehrgeizige 20% Einsparung pro Jahr. Daraus können die nötigen Investitionen für eine energietechnische Optimierung der Immobilie budgetiert werden.

3. Kontinuierliche Optimierung von Anlagen und deren Nutzung: Die Auswahl und Abstimmung der verschiedenen Anlageteile und Energiequellen ist von entscheidender Bedeutung für den Erfolg eines Energiesparplanes. Die Gesamteffizienz aller technischen Anlagen einer Immobilie setzt sich aus der Effizienz der einzelnen Anlagekomponenten zusammen. Die Optimierung erfolgt typischerweise nicht auf einen Schlag, sondern wird in einzelne Etappen aufgeteilt. Die Sanierung mit CO2-freien Energiequellen ist nur ein kleiner Teil dieser umfassenden Aufgabe. Ein Full-Time-Job, den es trotz zunehmender Automatisierung immer brauchen wird. Denn dazu gehören auch nicht technische Aspekte wie die Begleitung zum energiebewussten Immobilien-Nutzer. Leider ist bis heute das aktive Energiemanagement kein Schwerpunktthema und kein Fördergegenstand der Energiegesetzgebung. Dies obwohl schon länger bekannt und nachgewiesen ist, dass hier mit kurzen Amortisationszyklen Immobilien energieeffizient betrieben werden können.