Die Verpackungsindustrie in der Schweiz leidet unter der ausländischen Konkurrenz, Preisdruck und Margenerosion. Als Gegenrezept zur Krise empfiehlt der Branchenverband Schweizerisches Verpackungsinstitut (SVI) konsequente «Swissness». Aber ausgerechnet Migros und Coop unterlaufen dies, lautet ein Vorwurf.

«Die grossen Detailhändler setzen ihre eigenen Hersteller unter Druck, indem sie deren Preise mit der ausländischen Konkurrenz vergleichen», sagte Philippe Dubois, designierter SVI-Präsident in Zürich.

Mit dem billigen Euro sei in vielen Branchen die Versuchung da, im Ausland zu kaufen. Dass Migros und Coop in diese Richtung dächten, findet Dubois ein Problem. Schliesslich riefen die Handelsgruppen die Schweizer dazu auf, im Inland zu kaufen. Wer bewusst ein Schweizer Produkt erwerbe, kaufe unter Umständen eine im Ausland produzierte Verpackung mit.

Für Coop gehört es allerdings dazu, dass auch die Schweizer Lieferanten bei Preissenkungsbemühungen «ihr Scherflein» beitragen, wie der Detailhändler in einer Stellungnahme für die Nachrichtenagentur sda schrieb. Für Coop stünden günstige Konsumentenpreise im Zentrum.

Umsatz stagniert

2011 war für die Verpackungsbranche geprägt von Gegenwind: 2010 hatte sie noch ein Umsatzplus von 7,5 Prozent geschafft - 2011 stagnierten die Einnahmen bei 6,72 Milliarden Franken. Die Margen sind dünner geworden und die Gewinne gesunken, wie die Verantwortlichen des SVI durchblicken liessen.

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Der SVI gibt sich für die Zukunft seiner 140 angeschlossenen Mitglieder mit zusammen knapp 19'000 Beschäftigten immer noch optimistisch. Dennoch sind die Herausforderungen unübersehbar: «Investitionen sind noch möglich, aber nicht mehr, um die Produktion zu erhöhen», sagte Philippe Dubois. Die Mittel flössen in die Optimierung der Produktion.

Der Ärger über Migros und Coop beleuchtet auch, wie wichtig die Lebensmittelhersteller für die Verpackungsindustrie sind: Sie haben einen Absatzanteil von 40 Prozent, mit einem jährlichen Wachstum von 4,6 Prozent. Grosse Hoffnungen setzt die Branche auch in die Pharmaindustrie: Das Segment macht zwar nur 4 Prozent des Absatzes aus, wuchs aber zuletzt um 7,1 Prozent.

Weniger Beschäftigte

Ein Lichtblick für die Branche ist derzeit das Geschäft mit Verpackungsmaschinen, bei dem der Umsatz um 4,5 Prozent stieg, obwohl 90 Prozent der Anlagen exportiert werden. Die Abnehmer finden sich vor allem in Deutschland, der übrigen EU, den USA und in Lateinamerika.

Gestiegen ist nach Angaben der Dachorganisation der Umsatz auch in den Sparten Aluminium und Wellkarton. Einen Einbruch mit rund 8 Prozent weniger Umsatz verzeichneten die Glashersteller. Bei Holz, Karton und Kunststoff war der Umsatz ebenfalls rückläufig.

Was den Verpackungsherstellern auch Kopfzerbrechen bereitet, ist der Mangel an Fachkräften. Insgesamt ist die Zahl der Beschäftigten in der Branche laut SVI um 1,3 Prozent zurückgegangen. Hauptgrund dafür sei die fortschreitende Automation.

(tno/aho/sda)