Geld habe Swatch noch keines verloren, aber das Vertrauen in die Schweizerische Nationalbank, sagt Swatch-Chef Nick Hayek gegenüber dem «Sonntagsblick» zur Aufhebung der Euro-Untergrenze. Über Produktionsauslagerung denkt er aber nicht nach. Dafür über einen Rückzug von der Börse.

Die Nationalbank habe die Prioritäten kurzfristig anders gesetzt, sagt Hayek zur Aufhebung des Euro-Mindestkurses. «Es war ihr auf einmal wichtiger, die eigene Bilanz zu schützen, als sich in einem wirklichen Kampf für den Werkplatz Schweiz und den Tourismus einzusetzen.»

Aktienkurs abgestürzt

An der langfristigen Strategie ändere der Entscheid aber nichts, auch nicht in Bezug auf den Werkplatz Schweiz. «Wir kämpfen schon seit über zwanzig Jahren mit der Wechselkurssituation. Das hat uns nie daran gehindert, die Anzahl unserer Fabriken in der Schweiz oder jene unserer Mitarbeitenden zu erhöhen», sagt der Swatch-Chef.

Nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses stürzte der Aktienkurs der Swatch-Gruppe ab. Diesbezüglich gibt sich Hayek gelassen: «Ich nahm das zur Kenntnis», sagt er. Nur, weil sich der Aktienkurs verändere, ändere Swatch nicht die operative Tätigkeit oder die Strategie. «Swatch Group verkauft Uhren, keine Aktien», so Hayek.

Rückzug von der Börse

Allgemein scheint Hayek nicht allzu viel von der Börse zu halten: Die Preise an den Börsen hätten sich von der richtigen Welt schon längst verabschiedet, sagt der Swatch-Chef. «Würden wir den Rat der Börse befolgen, würden wir keine Fabriken betreiben. Die kosten nur Geld.» Wenn er etwas an der Börse verändern könnte, würde er sie zwingen, nicht mehr Börse zu heissen, sondern Casino. «In einem Casino tummeln sich viele Abzocker, und die wollen in möglichst kurzer Zeit möglichst viel verdienen - auf Teufel komm raus.»

Einem Rückzug von der Börse scheint Hayek denn auch nicht abgeneigt zu sein: «Wir könnten alle sehr viel ruhiger und mit viel weniger Bürokratie arbeiten und uns auf den eigentlichen Zweck der Gruppe konzentrieren, nämlich erfolgreich in der Schweiz hergestellte Produkte weltweit verkaufen», sagt er.

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Dennoch gibt es Hindernisse: «Um die Swatch Group von der Börse zu nehmen, müssten wir uns als grosser Aktionär verschulden. Und das entspricht nicht unserer Kultur.» Beim derzeit tiefen Aktienkurs scheint ihm der Gedanke aber wieder häufiger zu kommen: «Ich muss zugeben, dass ich mir das bei dem aktuellen Kurs schon mehr als einmal überlegt habe», sagt Hayek.

(awp/moh)