Das Allfinanz-Modell mit dem Schulterschluss von grossen Versicherungen und Banken hat schon vor einem Jahrzehnt endgültig Schiffbruch erlitten. Die Axa-Gruppe konnte von diesem Strategiewechsel profitieren: Die Winterthur-Versicherung ging von der glücklosen Credit Suisse an den französischen Erstversicherer über. Trotzdem blieb auch beim neuen Besitzer die gezielte Kombination von Bank- und Versicherungsdienstleistungen weiterhin ein wichtiges Thema. «Wir kaufen keine grosse Bank», stellte Axa-Chef Henri de Castries jüngst an einem Medienseminar klar, um gleich nachzuschieben, «dafür wollen wir mit der eigenen Bank die Finanzmarktkrise zu unseren Gunsten nutzen».

Der Sicherheitsaspekt ist bei den Kunden nach staatlichen Rettungsaktionen und Bankenpleiten vermehrt in den Vordergrund gerückt. Als einer der weltweit grössten Versicherer will sich Axa auch im Banking profilieren. Gestartet wurden diese Aktivitäten in Belgien, wo mit dem Merger von zwei Geldinstituten eine erste Axa Bank entstand, die jetzt auch als europäisches Headquarter dient. Später sind durch den Kauf von Banken in Deutschland, Frankreich und Ungarn weitere Stützpunkte dazugekommen, bevor die Axa Bank im Januar 2009 ihre Tätigkeit auch in der Schweiz aufnahm, als Zweigniederlassung der belgischen Axa Bank Europe. «Wir machen das Banking flankierend zu den Versicherungen», sagt Hervé Hatt, CEO bei der Brüsseler Zentrale. Im Mittelpunkt steht das Retail Banking, mit einfachen Produkten und einem effizienten Back office. Der Hauptsitz koordiniert die Businesspläne, das Marketing und die Produkte. Zum Aufgabenbereich gehören auch das Asset & Liability Management sowie die Implementierung der IT-Strategien.

Einfache Sparprodukte

In der Schweiz verfolgt die Axa Bank ein Konzept, das mit leicht verständlichen Sparprodukten auf das Kleinkundengeschäft ausgerichtet ist. Das Unternehmen mit gut zwei Dutzend Mitarbeitern operiert über den Verkaufskanal Internet. Allerdings unterscheidet sich das gewählte Modell von der klassischen Direkt-Bank: Die Festgeld- und Sparkonti werden auch von den Versicherungsberatern der Axa Winterthur beworben. Speziell die Lebensversicherer kämpfen mit dem Problem, dass in der jüngsten Vergangenheit die Mittel von auslaufenden Kontrakten zu einem grossen Teil bei den Banken deponiert wurden. «Rund 80% der frei werdenden Gelder im Einzelebenversicherungsgeschäft werden derzeit ausserhalb der Axa angelegt», präzisiert Urs Widmer, CEO der Axa Bank in der Schweiz. Mit den neuen Sparprodukten, die im Vergleich zur Konkurrenz eine attraktive Verzinsung aufweisen, können die Kunden das Geld nun kurzfristig anlegen und eine längerfristige Anlagelösung prüfen. Die eigenen Vehikel sollen dafür sorgen, dass die Reinvestitionsquote bei der Axa Winterthur deutlich steigt.

Anzeige

Kein Selbstzweck

Für einen Versicherer ist die angeschlossene Bank keineswegs ein Selbstzweck. Früher oder später soll das angelegte Geld in flexible Vorsorgeprodukte fliessen. Hervé Hatt lässt durchblicken, dass von 1 Mrd Euro an neu akquirierten Mitteln rund 700 Mio in solche Instrumente aus dem Lebensversicherungsbereich gehen. Dabei sind es nicht nur die parkierten Gelder von abgelaufenen Einmaleinlagen und anderen Versicherungsverträgen, sondern ebenso Spargelder, die wegen der günstigen Konditionen von anderen Banken abgezogen wurden. «Es gilt, im richtigen Zeitpunkt eine aggressive Offerte zu machen», sagt Hervé Hatt. Die Axa Bank war damit in Europa erfolgreich: Sie zählt bereits über 1,8 Mio Kunden und 29 Mrd Euro an verwalteten Vermögen.

Expansionschancen

Die Axa Bank in der Schweiz soll 2012 die führende Direkt-Bank sein, der über 120000 Kunden rund 2 Mrd Fr. an Vermögen zur Verwaltung anvertrauen. Dem sogenannten Assurbankingmodell, dem Vertrieb von Bankprodukten via Versicherungskanal, werden von Branchenexperten gute Expansionschancen eingeräumt. Die Direkt-Bank verfügt über kein Filialnetz und kann damit die Kosten tiefer halten als vergleichbare Geldinstitute. Axa plant neue Banken speziell in Osteuropa. Damit sollen die Kundenkontakte intensiviert und das Cross-Selling erweitert werden.