Meistern die Versicherer die Finanzkrise tatsächlich besser als die Banken? Der 30. Juni 2009 wird darüber Aufschluss geben. Dann sind sämtliche Schweizer Versicherer, welche der Finanzmarktaufsicht (Finma) unterstellt sind, erstmals dazu verpflichtet, ihre Resultate zum Swiss Solvency Test (SST) für 2008 dem Bund vorzulegen. Ziel des SST ist es, neben der Solvenzprüfung das jeweilige Risikomanagement zu fördern. Das Problem ist jedoch die Auswertung der jeweils verwendeten internen Modelle. So lässt die Finma den Versicherer bei der SST-Durchführung mehrheitlich freie Bahn.

Der SST legt ein Zielkapital sowie eine bestimmte Anzahl von Marktrisikoszenarien und Stress-tests fest. Die Szenarien und Tests werden im Anschluss von den Versicherern theoretisch durchgespielt und ausgewertet. Bei den Marktrisikoszenarien handelt es sich um sieben historisch marktrelevante Ereignisse. Zwei Stresstests dienen dazu, die Belastung einer extremen Zins- beziehungsweise Aktienkursentwicklung aufzuzeigen. Ziel ist es, dass das Zielkapital durch das vorhandene Kapital abgedeckt wird.

Harter Test für Lebensversicherer

2006 wurde der SST erstmals von allen grossen Schweizer Versicherern auf freiwilliger Basis durchgeführt. Von 44 Firmen hielten acht oder 18% für die durchgeführten Szenarien und Tests nicht genügend Kapital bereit. 2007 reduzierte sich die Zahl der Versicherer, deren Kapital unter dem geforderten Zielkapital lag, auf vier (siehe Grafik).

Anzeige

Auffallend ist, dass die durchgefallenen Lebensversicherer gleich bei fünf der sieben vorgelegten Szenarien und gar bei beiden Stresstests nicht über das geforderte Zielkapital verfügten. Dies geht aus einer Studie des ehemaligen Bundesamtes für Privatversicherungen (BPV) - heute Finma - hervor. Damit wird einmal mehr bestätigt, dass die Lebensversicherer verglichen mit den Sach- und Schadenversicherer im Normalfall weniger komfortabel kapitalisiert sind.

Entsprechend hoch sind die Erwartungen an die aktuellen SST-Resultate. Die Finanzkrise hat bereits in verschiedenen Branchen einen erheblichen Schaden angerichtet, den auch die hiesigen Versicherer gespürt haben. So ist der Kapitalbedarf namentlich bei den Lebensversicherungen stark vom Marktrisiko - insbesondere dem Zinsrisiko - abhängig. «Die in die gleiche Richtung laufende Kumulation der Effekte im Jahr 2008, tieferes Zinsniveau und höhere Volatilitäten dürften die Zielkapitalmargen der Lebensversicherer stark beeinträchtigt haben», sagt Peter Brawand, CFO der Mobiliar.

Uneinheitliche Testanalysen

Trotz obligatorischer Auflage ist es den Versicherern mehrheitlich selber überlassen, in welcher Form und Umsetzung sie die angeforderten Resultate liefern. «Es gibt für Erstversicherer zwar jeweils ein Standardmodell, die Aufsicht bevorzugt aber klar die Anwendung interner Modelle», sagt Brawand. Diese müssen aber erst von der Finma abgesegnet werden.

Seitens der Finma wird die Vorgehensweise insofern kommentiert, als dadurch vermehrt Einsicht in die gesellschaftsspezifischen Modelle gewährt werde. Zudem schaffe dies bei den Assekuranzen einen erhöhten Anreiz, ihr Risikomanagement den jeweiligen Marktbedingungen rasch anzupassen.

Entsprechend ist es fraglich, ob die unterschiedliche Art und Weise der gesammelten Daten überhaupt zu einem aussagekräftigen Resultat führen. «Weil die Schweiz, aus europäischer Sicht, im Bereich risikobasierte Solvenzaufsicht Pionierarbeit geleistet hat, dürfte es kaum möglich sein, die Resultate des SST heranzuziehen, um den Gesundheitszustand der hiesigen Assekuranzen mit den Branchen in anderen Ländern zu vergleichen», sagt Brawand.