ASSEKURANZ. Bei der Basler Lebensversicherungsgesellschaft Pax sind leise Vorbehalte unüberhörbar. «Die Akquisition von AWD durch unsere Konkurrentin Swiss Life löst bei uns gemischte Gefühle aus», sagt der Marketingleiter Alex Rauber. Pax verkauft seit 14 Jahren einen bedeutenden Teil ihrer Leben-Policen über den deutschen Grossmakler. Rauber: «AWD gehört zu unseren wichtigsten alternativen Vertriebspartnern.» Kurzfris-tig erwartet Rauber wegen der neuen Besitzverhältnisse keine Einbussen. Hinter die Zukunft setzt er ein Fragezeichen. Grundsätzlich geht man bei Pax aber von einer «soliden Partnerschaft» mit AWD (Allgemeiner Wirtschaftsdienst) aus und wird zur Überprüfung von dessen Unabhängigkeit keine Privatdetektive einsetzen.

Auf Vertrauen setzt man auch bei Generali, zusammen mit Skandia der wichtigste AWD-Kunde im Leben-Bereich. «Wir gehen davon aus, dass AWD auch weiterhin die besten Produkte vertreiben wird», sagt Peter Herzog, Leiter Marketing und Vertrieb. Aufgrund der ihm vorliegenden Unterlagen könne davon ausgegangen werden, dass das auf Unabhängigkeit basierende Beratungskonzept unangetastet bleibe. Der AWD-Chef Schweiz, Marco, Baur hat in den letzten Tagen sämtlichen Partnern eine entsprechende schriftliche Zusage verschickt. «Wir gehen davon aus, dass AWD entsprechend agieren wird», sagt Herzog.

«No Comment»

Bei anderen Versicherungsgesellschaften, die mit AWD mehr oder weniger intensiv zusammenarbeiten, hält man sich zurück. Die meisten wollen sich zur Übernahme durch Swiss Life nicht äussern. «Wir möchten keine Mutmassungen über das künftige Verhalten unserer Vertriebspartner anstellen», heisst es bei Helvetia. «Unsere mehrjährige Zusammenarbeit mit AWD bleibt unverändert bestehen», sagt eine Sprecherin von Axa Winterthur. Und die Allianz Suisse: «Zu Spekulationen, ob AWD seine Politik der Unabhängigkeit aufgeben könnte und mit welchen Folgen, nehmen wir nicht Stellung.»Kämpferische Töne schlagen Generali und Pax an. Bei auftretenden Unregelmässigkeiten oder einer plötzlichen Umschichtung von bestehenden Kundenportfolios zugunsten von Swiss Life wollen sie bei der AWD-Geschäftsleitung intervenieren. «Beim Neugeschäftsabschluss spielt hingegen der freie Markt», ist sich Peter Herzog von Generali bewusst.Da könnte es bei AWD künftig aber zu Umverteilungen kommen. Laut Reglement des Bundesamts für Privatversicherungen (BPV) gilt AWD heute im Segment Lebensversicherungen als «gebundener Vermittler». Grund: Über 50% des Umsatzes werden mit Produkten von Generali und Skandia erzielt. Der Eintritt von Swiss Life könnte diese Hierarchie über den Haufen werfen.

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Unabhängigkeit oberste Priorität

Laut AWD Schweiz müssen sich Generali, Skandia und alle übrigen der 60 Schweizer Versicherungspartner nicht um die guten Partnerschaft sorgen, wie Sprecher Andreas Bonifazi versichert. Auch bei Swiss Life heisst es, dass der AWD-Deal in erster Linie einem Wachstum im Ausland, speziell Deutschland und Osteuropa, diene. Die Aufrechterhaltung der Unabhängigkeit von AWD habe oberste Priorität, so Sprecher Andreas Hildenbrand. Sonst würde das erfolgreiche Geschäftsmodell gefährdet und der Wert der Gesellschaft zerstört. Hildenbrand sagt aber auch: «In der Schweiz streben wir dank AWD eine Stärkung im Leben-Neugeschäft sowie bei Fonds-gebundenen Produkten an.» Dies ist nur zulasten der Mitbewerber möglich.