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Kapitalvorschriften
Versicherer benötigen weniger Kapital im Ausland

Weniger streng: Finma fordert weniger Kapital fürs Geschäft im Ausland.
Weniger streng: Finma fordert weniger Kapital fürs Geschäft im Ausland.Quelle: Keystone

Schweizer Versicherer können bald mit weniger Eigenkapital im Ausland operieren. Die Finma kommt der Branche entgegen.

Von Michael Heim
am 01.03.2018

Die Schweizer Lebensversicherer erhalten von der Finanzmarktaufsicht (Finma) eine bedeutende Erleichterung bei den Solvenzvorschriften. Geschäft von ausländischen Tochtergesellschaften binde dann weniger Kapital, sagt Thomas Buess, Finanzchef des Versicherungskonzerns Swiss Life.

Auf Anfrage der «Handelszeitung» bestätigt die Finma entsprechende Erleichterungen im Rahmen des Swiss Solvency Tests (SST). Konkret dürften beim Auslandgeschäft neu lokale Zinssätze für die Bewertung der Verbindlichkeiten verwendet werden statt wie bisher die deutlich tieferen Franken-Zinssätze, wie Sprecher Vinzenz Mathys erklärt.

Ausländische Zinskurven verwenden

«Dies gilt für die Zinskurven aller Währungen und in allen Ländern und ist also keine Euro- oder EU-spezifische Regulierung», sagt Mathys. Die Erleichterung gelte jedoch nicht für Zweigniederlassungen, deren Geschäft auf der Bilanz des Schweizer Stammhauses liegt. Das ist zum Beispiel der Fall beim Frankreich-Geschäft von Swiss Life.

Für international tätige Schweizer Versicherer wie Swiss Life, Helvetia oder Baloise bedeutet das eine Annäherung an die Regulierung der ausländischen Konkurrenz. Bisher wurden sie auf Gruppenebene einheitlich mit Modellen des Swiss Solvency Tests (SST) reguliert. Damit galt dessen «Swiss Finish» auch für das Geschäft der ausländischen Tochtergesellschaften.

Ungleiche Regulierung

Der seit 2011 eingeführte SST ist – vor allem für Lebensversicherungen – deutlich strenger als das in der EU geltende Regelwerk Solvency II, für das je nach Land zudem lange Übergangsfristen für die Einführung kennt. Schweizer Versicherer brauchen daher deutlich mehr Kapital als lokale Konkurrenten, um die gleichen Produkte anbieten zu können. Gemäss Swiss-Life-Finanzchef Buess führen die angekündigten Änderungen nun zu einer deutlichen Annährung der Anforderungen.

Der SST ist seit Jahren Objekt des Lobbyings, denn er beruhte bisher zu einem grossen Teil auf Risikomodellen, welche die Versicherer erst selber entwickeln, dann aber von der Finma abnehmen lassen mussten. Das führte dazu, dass oft jahrelang unklar war, mit welchen Modellen die Finma die Unternehmen effektiv mass. Unterschreitet ein Unternehmen eine bestimmte SST-Solvenzquote, kann die Finma die Kontrolle über das Unternehmen übernehmen.

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