Der Schweizer Versicherungsmarkt bietet kaum Wachstumschancen. So der Grundtenor unter den hiesigen Assekuranzen. Der Markt leide unter hohem Konkurrenzdruck, starker Fragmentierung und hartem Preiskampf. In diesem Marktumfeld will nun die Zurich Financial Services (ZFS) zur Nummer eins im Nichtlebengeschäft heranwachsen, wie Thomas Buberl, CEO Zurich Schweiz, kürzlich im Interview mit der «Handelszeitung» sagte. Von dieser Kampfansage zeigt sich jedoch der Branchenleader Axa Winterthur unberührt. «Als führender Schweizer Allbranchenversicherer sind wir solche Absichtserklärungen gewohnt», sagt Philippe Egger, CEO Axa Winterthur.

Dass die Karten aber auf dem hiesigen Versicherungsmarkt neu gemischt werden, zeigen vor allem die letzte Woche vorgelegten Zahlen von Helvetia. Sowohl für das Nichtleben- als auch das Lebengeschäft konnte sie ein Wachstum ausweisen. «Entscheidend für den Erfolg ist, dass man über die richtigen Kundenzugänge verfügt», sagt Philipp Gmür, CEO Helvetia Schweiz. Ein goldiges Händchen bei den Kundenzugängen bewies Helvetia sicherlich beispielsweise mit der seit über zehn Jahren bestehenden Kooperation mit Raiffeisen. Dank der Krise um die Grossbanken und dem grossen Neukundenansturm erhöhte sich der Neugeschäftsanteil für Helvetia über Raiffeisen auf mehr als 19%. Aber auch Bâloise und Allianz Suisse haben 2009 besonders im Lebengeschäft stark zulegen können.

Sachversicherung

Mit seiner Kampfansage im Nichtlebenbereich dürfte Buberl einen schweren Stand haben. Wie schwierig seine Mission ist, zeigen etwa die Transport- und Motorfahrzeugversicherungen. Aufgrund der Krise kamen die Transporte teilweise zum Erliegen, die zu versichernde Fracht wurde weniger. Noch prekärer war die Situation bei den Motorfahrzeugversicherungen. Der Neuwagenverkauf brach ein, was weniger Neuabschlüsse von Versicherungen zur Folge hatte. Zudem hat sich der Bestand an Altwagen erhöht, wodurch es häufiger zu einer Verschiebung von Voll- zur Teilkaskodeckung kommt. Hinter vorgehaltener Hand wiesen die Versicherer auch darauf hin, dass die Autoreparaturkosten teilweise künstlich nach oben geschraubt wurden, um der Rezession zu trotzen. Aber auch die Zunahme der belastenden Unwetter bringt keine Erholung beim Schadenverlauf bei der Motorfahrzeugkasko. An einer Prämienerhöhung dürfte kein Weg vorbeiführen.

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Um sich Marktanteile zu sichern, agierte beispielsweise die Allianz Suisse in diesem Bereich besonders aggressiv und galt bislang als Preisdrücker im Schweizer Motorfahrzeugversicherungsbereich, bevor andere Wettbewerber ihre Preise ebenfalls senkten. Dem wollte Allianz Suisse angesichts der hohen Schadenbelastung nicht mehr folgen. «Wir haben beschlossen, den exzessiven Preiswettbewerb nicht mitzumachen», sagt Manfred Knof, CEO der Allianz Suisse. Eine Prämienerhöhung sei aber noch nicht in Sicht. «Die Marktpreise sind nach wie vor tief. Da werden wir zumindest kurzfristig keine Erhöhungen vornehmen können», sagt Knof.

Leben-Geschäft

Wesentlich bessere Wachstumschancen hätte Buberl in der klassichen beruflichen Vorsorge, woraus sich Zurich Schweiz weitgehend zurückgezogen hat. Denn das gute Wachstum verdanken Helvetia, Bâloise und Allianz Suisse vor allem der starken Nachfrage nach BVG-Versicherungslösungen - wohl zum Leidwesen der beiden Branchenleader. So reduzierte sich bei Axa Winterthur 2009 das Volumen im Kollektivbereich um 4,7%. «Der Prämienrückgang war zu erwarten, war 2008 im Kollektivleben doch ein aussergewöhnlich erfolgreiches Jahr für uns», sagt Egger. Swiss Life wird am Dienstag Details zum Geschäftsgang erläutern.

Sowohl für Helvetia als auch für Allianz Suisse ist klar: Ihr erzieltes Wachstum im Kollektivbereich sei von langfristiger Natur. So werde die Vollversicherungslösung derzeit stark nachgefragt. «Gerade für KMU, die keine Anlagerisiken tragen wollen, ist das Vollversicherungsmodell geeignet», sagt Gmür. Denn der Versicherer trägt das Risiko, die versprochenen Leistungen auch bei ungünstigen Kapitalmarktbedingungen jederzeit zu 100% zu garantieren. Gemäss Knof sei es zudem durchaus möglich, dass halbautonome und autonome Pensionskassen ihre Unterdeckungen bald ausmerzen können. «Dann werden noch mehr KMU in eine Vollversicherungslösung wechseln, denn dann entfallen die teuren Ausfinanzierungen für die Unternehmen», sagt er.

Um die Attraktivität des Lebengeschäfts zu wahren, braucht es aber auch die entsprechenden Rahmenbedingungen. «Im Kollektiv-Leben müssen auch künftig die politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen stimmen. Die Versicherer müssen das Lebengeschäft profitabel betreiben können, damit Investoren das dafür notwendige Kapital zur Verfügung stellen», sagt Gmür.