Egal, welchen Versicherer man anfragt, alle sind sich einig: Der Zeitpunkt ist günstig, Konsolidierungen vorzunehmen. Dabei sprechen die Versicherer von sogenannten Portefeuillebereinigungen. Unprofitable Sparten sollen an die Konkurrenz abgestossen werden. Bisher wurden jedoch solche Aktivitäten kaum gesichtet. Dabei würde sich beispielsweise der österreichische Markt für eine kleinere Aufräumaktion anbieten. Helvetia und Bâloise könnten sich möglicherweise dabei gemeinsam an den Verhandlungstisch setzen.

Geringes Prämienvolumen

Bereits 2008 generierte beispielsweise Helvetia verhältnismässig wenig Prämienvolumen in Österreich. Rund 334 Mio Fr. steuerte die Geschäftseinheit bei, was 6% der Gesamteinnahmen ausmachte. Das Geschäftsvolumen der österreichischen Bâloise-Tochter betrug 2008 159 Mio Fr. und damit gerade mal 2% des gesamten Geschäftsvolumens. Um zusätzliches Wachstum überhaupt erzielen zu können, müsste wohl eine Akquisition ins Auge gefasst werden. Denn der österreichische Versicherungsmarkt ist weitgehend identisch mit dem schweizerischen. Der Markt ist hoch konzentriert. «Die drei grössten Marktteilnehmer haben gemeinsam 61% Marktanteil, die vier grössten 70%», sagt Stefan Loacker, CEO Helvetia. Damit dürfte eine verhältnis-mässig kleine Geschäftseinheit Mühe haben, sich behaupten zu können. Damit bieten sich im österreichischen Markt die umso idealeren Aufräumbedingungen und Zukaufgelegenheiten. Besonders Helvetia zeigt Ambitionen, ihr Wachstum in diesem Markt weiter anzukurbeln. «Wir wollen in Österreich organisch weiter wachsen», sagt Stefan Loacker. Dabei will das Unternehmen auf innovative Produkte und kundennahe Vertriebswege setzen. «Wie in Deutschland wird den Kunden in Österreich die Notwendigkeit einer privaten Altersvorsorge immer stärker bewusst», sagt Loacker. Denn besonders in Österreich stecke der Vorsorgemarkt weitgehend noch in den Kinderschuhen. Ob Bâloise an ihrem Österreich-Geschäft festhalten will, ist unklar. Der Versicherer wollte keine Stellung nehmen und verwies auf die Ergebnispräsentation vom 18. März.

Obwohl sich im Fall Österreich eine Portefeuillebereinigung - in welche Richtung auch immer - anerbieten würde, weisen Versicherungsexperten, die nicht genannt werden möchten, darauf hin, dass sich der Tausch von einzelnen Sparten als schwierig erwiesen habe. So seien diese jeweils eng mit dem Mutterhaus verbunden, was eine Trennung erschwere.

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Musterbeispiel

Dass es jedoch durchaus machbar ist, zeigt beispielsweise der Deal zwischen Swiss Life und Helvetia. Swiss Life suchte für ihren französischen Transportversicherer L’Européenne d’Assurance (CEAT) einen Käufer, da dieser gemäss eigener Aussage nicht zum Kerngeschäft passte. Mit dem Verkaufsgesuch stiess der Lebensversicherer vor allem beim Helvetia-CEO Stefan Loacker auf offene Ohren, der immer wieder darauf hinweist, einzig in bestehenden Märkten gezielt wachsen zu wollen. Mit der Übernahme von CEAT mutierte Helvetia zu einem umfassenden Anbieter von Nutzfahrzeugversicherungen in Frankreich.

Lohnt sich Österreich?

Ob sich ein Zukauf in Öster-reich rechnet, ist allerdings fraglich. Ein Spartenverkauf würde sich wohl eher rechnen. Denn im 1. Halbjahr 2009 erwies sich beispielsweise das Österreich-Engagement von Helvetia aufgrund der Anzahl und des Schweregrads der Unwetter als unprofitabel. Auch das 2. Halbjahr dürfte sich als schwierig erwiesen haben, wie Loacker bereits Ende 2009 im Gespräch mit der «Handelszeitung» verlauten liess. «In Österreich gab es im vergangenen Jahr eine besondere Häufung von grösseren Unwettern. Aufgrund von Hagelschlägen und Überschwemmungen hat die Schadenbelastung marktweit im 2. Halbjahr noch weiter zugenommen», sagt Loacker.

Trotz den trüben Aussichten blicken die St. Galler jedoch zuversichtlich in die Zukunft. «In Österreich haben wir durch unsere Grösse Potenzial zum Ausbau, den wir unter anderem mit einem neu strukturierten Vertrieb in Angriff nehmen», sagt Loacker. Dem Helvetia-CEO dürfte die Österreich-Sparte wohl auch deshalb am Herzen liegen, da er lange Zeit deren Chefposten be-kleidete.

Nationale Suisse: Kein Interesse

Uninteressiert am Geschehen im Nachbarland zeigt sich bislang Nationale Suisse. Das Unternehmen hat andere Märkte im Fokus: «Eine Expansion planen wir insbesondere in den multinationalen Speciality Lines wie Kunst/HNWI (High Net Worth Individuals), Engineering und Marine», sagt Nationale-Suisse-CEO Hans Künzle. Dafür benötige es nicht zwingend einen Eintritt in den österreichischen Markt. «Über unsere Tochtergesellschaft Liechtenstein können wir die uns interessierenden Speciality Lines Marine und Engineering bereits abdecken und österreichische Risiken versichern», sagt er.

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Nicht ganz uninteressant ist der Markt jedoch für das Geschäft mit den Superreichen und der Kunstversicherung. «Allerdings gibt es in diesem Segment noch attraktivere Märkte», sagt Künzle. Umso mehr wolle er sich derzeit auf die Etablierung in Italien, Spanien, Belgien und Deutschland konzentrieren. «Bevor wir nicht in diesen Ländern eine genügend gute Marktposition erreicht haben, gibt es keine weiteren organischen Expansionsschritte», sagt der Nationale-Suisse-CEO.