Die Schweizer Versicherungen sind offenbar nicht mehr an einem Dienstleistungsabkommen mit der EU interessiert. «Wir haben uns lange für den direkten Zugang zum europäischen Markt eingesetzt. Mittlerweile aber sind wir davon abgekommen: Wir würden ein Dienstleistungsabkommen mit der EU nur noch dann begrüssen, wenn für uns und die Anbieter in der EU gleiche Regeln gelten würden», sagte Urs Berger, Präsident des Schweizerischen Versicherungsverbandes der «NZZ am Sonntag». Damit könnten die Versicherungen heute aber nicht rechnen.

Die Branche hat laut Berger zwei Befürchtungen: Zum einen sei die Schweiz von der Finanzmarktaufsicht Finma stärker reguliert als die europäischen Konkurrenten. «Ausländische Gesellschaften könnten mit lascheren Vorschriften hierzulande billigere Produkte verkaufen. Das ginge für uns nicht auf», so der Branchenpräsident weiter. Vor zwei Jahren sei man davon ausgegangen, dass Europa die Versicherer ähnlich stark regulieren würde wie die Schweiz. Das sei bis heute nicht passiert, und es werde vorerst auch nicht geschehen. «Der Wettbewerb wäre also verzerrt», so Berger.

Und die zweite Befürchtung sei, dass sich der Verband mittlerweile frage: «Was kostet die Schweiz ein Dienstleistungsabkommen mit der EU? Rund um unsere Banken sehen wir ja, zu welchem Preis man Abkommen erhält!» Und Drittens, so Berger: Schweizer Versicherer, die im Ausland tätig sein wollen, hätten dort längst eigene Niederlassungen gegründet und seien vor Ort tätig. «Der Handlungsbedarf ist also gering.»

(chb/awp)